Paul Graetz (1889–1937) war ein Kabarettist und Filmschauspieler, der von Berlin aus eine charakteristische Nische zwischen Spott, Sentiment und scharf beobachtetem Kleinbürgertum besetzte. Bekannt wurde er als Interpret der Chansons und Monologe von Kurt Tucholsky und Walter Mehring, deren Mischung aus Witz und politischer Schärfe er kongenial auf die Bühne brachte. Im Film profilierte er sich vor allem in Nebenrollen als jüdischer Händler, schlitzohriger Diener oder verschlagener Aussenseiter – Figuren, in denen sich Humor und Melancholie untrennbar mischen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh Graetz 1933 nach England und arbeitete dort in kleineren Filmrollen weiter. In Hitchcocks deutschsprachiger Version von «Murder!», «Mary» (1931), spielte er Bobby Brown, eine Nebenfigur, die dem Kriminalplot menschliche und komische Tupfer verleiht. Gerade hier zeigt sich, wie Hitchcock solche Charakterköpfe nutzte, um die Welt seiner Thriller zu beleben: Graetz’ Präsenz erinnert an das urbane Kabarettmilieu, aus dem er kommt, und bringt ein Bewusstsein für soziale Spannungen mit, das hinter der Krimihandlung weitervibriert.