Plot
Ein französischer Schauspieler sitzt 1944 in einer Londoner Garderobe mit seinen Kollegen der «Molière Players» und schminkt sich für eine Aufführung für Exilfranzosen. Als ein Mitspieler unsicher ist, wie er einen Gangster anlegen soll, merkt der Schauspieler Paul Clarus an, die Figur erinnere ihn an einen Vichy‑Beamten auf Madagaskar – und beginnt, von seiner Zeit im Widerstand zu erzählen.
Die Gegenwart im Theater löst sich in Rückblenden auf: Clarus erinnert sich an die Jahre, in denen die französische Kolonie Madagaskar unter einem kollaborationswilligen Chef der Sûreté, Jean Michel, und einem vom restlichen Weltgeschehen abgetrennten Gouverneur stand.
Clarus, im Zivilberuf Jurist, organisiert im Untergrund Fluchtrouten für regimekritische Franzosen, die heimlich per Schiff in britisch kontrollierte Gebiete gebracht werden sollen. Gleichzeitig betreibt er eine illegale Widerstands‑Radiostation, die Vichy‑Propaganda unterläuft und pro‑freifranzösische Botschaften sendet. Der zynische Michel, der vor dem Krieg ein gewöhnlicher Krimineller war und nun als Polizeichef Macht ausübt, versucht verzweifelt, die Quelle der Sendungen aufzuspüren und die Organisatoren des Widerstands zu entlarven.
In typischer Hitchcock‑Manier verbindet der Film politische Spannung mit bitterer Ironie: Michel blamiert sich wiederholt, etwa wenn er glaubt, den Sender gefunden zu haben, während Clarus und seine Mitstreiter ihn von ganz anderer Stelle aus verspotten. Schliesslich wird Clarus verraten, verhaftet und zunächst eingesperrt, dann in die Sahara deportiert – eine scheinbare Niederlage der Résistance auf Madagaskar. Doch das Blatt wendet sich, als das Schiff, das ihn in die Verbannung bringen soll, von britischen Streitkräften aufgebracht wird und Clarus so doch noch in die Freiheit und zu den Alliierten gelangt.
Im Mai 1942 landen britische Truppen in Diego‑Suarez und befreien Madagaskar; Michel versucht sich opportunistisch mit dem neuen Regime zu arrangieren, doch seine Kollaboration ist bekannt, und er landet nun selbst im Gefängnis. Die Rückblende endet, und wir kehren in die Garderobe zurück, wo Clarus’ Erzählung dazu dient, dem Kollegen zu zeigen, wie man einen krummen, opportunistischen «Gangster» spielt – mit der bitteren Pointe, dass der reale Polizeichef schlimmer war als jede Bühnenfigur. So verschränkt «Aventure Malgache» persönliche Erinnerung, Theaterstück und politische Propaganda zu einem kurzen Plädoyer für Widerstand und gegen Kollaboration.
Cameo
In «Aventure Malgache» gibt es keinen sichtbaren Hitchcock‑Cameo; er taucht weder in der Garderobenszene noch in den Rückblenden als Figur auf. Spätere Cameo‑Listen führen den Film ausdrücklich als Ausnahme unter seinen Werken der 1940er Jahre, gemeinsam mit «Bon Voyage», in denen er zwar Regie führte, aber nicht – wie sonst üblich – kurz vor der Kamera erschien.
Production Facts
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«Aventure Malgache» wurde 1944 im Auftrag des britischen Ministry of Information gedreht und ist – wie «Bon Voyage» – ein französischsprachiger Propagandafilm, der sich gezielt an französische Exil‑ und Kolonialpublika richtete.
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Grundlage sind reale Erfahrungen der Résistance: Viele Quellen sehen den Anwalt Jules François Clermont als Vorbild, der unter dem Namen «Paul Clarus» das Drehbuch mitverfasste und im Film sich selbst spielt; andere verweisen auf den Schauspieler Claude Dauphin als weiteren biografischen Bezug.
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Gedreht wurde mit einer französischen Schauspieltruppe in England; mehrere der Beteiligten hatten selbst unter Vichy‑ oder Besatzungsbedingungen gelitten, was dem Film eine halb‑dokumentarische Note verleiht.
Fun Facts
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Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Propagandafilmen zeichnet «Aventure Malgache» ein ambivalenteres Bild: Die Résistance wird gezeigt, aber auch ihr Misstrauen gegenüber den Briten, mit denen man sich nur als «kleineres Übel» verbündet – ein heikler Punkt für einen vom britischen Staat finanzierten Film.
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Der Film blieb nach dem Krieg lange schwer zugänglich und wurde erst Jahrzehnte später im Rahmen von Retrospektiven und DVD‑Editionen der Hitchcock‑Frühwerke wiederentdeckt, weshalb er selbst unter Fans als «vergessener» Hitchcock gilt.
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Gemeinsam mit «Bon Voyage» wird «Aventure Malgache» heute oft als Beispiel dafür betrachtet, wie Hitchcock seine Suspense‑Technik und Ironie in den Dienst konkreter politischer Botschaften stellte, ohne auf seine Handschrift ganz zu verzichten.
Pannen & Patzer
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In der Garderobenszene wechseln Schminkutensilien und Zigarettenpackungen ihre Position zwischen den Einstellungen, ohne dass die Darsteller sie sichtbar bewegen – ein klassischer Continuity‑Fehler, der in zeitgenössischen Beschreibungen und heutigen Sichtungen bemerkt wird.
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In einer der Rückblenden variiert der Füllstand von Gläsern auf einem Tisch in Michels Büro deutlich zwischen den Schnitten; mal sind sie fast leer, dann wieder fast voll, obwohl niemand nachschenkt.
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Bei einer Verhaftungsszene springt die Anzahl der anwesenden Polizisten zwischen den Einstellungen; ein Beamter erscheint im Hintergrund, verschwindet im Gegenschuss und ist im nächsten Totalbild wieder zu sehen.
1993
1. Januar 1944
31 Minuten