A Tribute to the Master of Suspense

Family Plot

Familiengrab

Hitchcocks letzter Film verknüpft eine falsche Spiritistin (Barbara Harris) und ihren gewieften Freund (Bruce Dern) mit einem entführten Bischof und einem eleganten Entführerpaar, das mit Diamanten dealt. Während die Schwindlerin vorgibt, Kontakt zum Jenseits zu haben, führt sie eine harmlose Erbschaftssuche direkt zu einem dunklen Serienkidnapper. In der Mischung aus schwarzem Humor, Kleinganoven und tödlichem Ernst verabschiedet sich Hitchcock 1976 mit erstaunlich leichter Tonlage von seiner Kinokarriere.
Plot

Eine angebliche Spiritistin namens Blanche Tyler hält in Los Angeles Séancen ab, bei denen ihr Freund George Lumley als Informant im Hintergrund arbeitet und ihr gegen eine Beteiligung am Honorar Recherchearbeit abnimmt. Eines Tages erhält Blanche von der wohlhabenden, von Schuldgefühlen geplagten Witwe Julia Rainbird einen lukrativen Auftrag: Für 10’000 Dollar soll sie den illegitimen Neffen der alten Dame aufspüren, der Jahrzehnte zuvor nach einem Familienskandal zur Adoption freigegeben wurde und nun als Erbe eingesetzt werden soll.

George übernimmt die Nachforschungen und findet heraus, dass der Gesuchte als Edward Shoebridge adoptiert wurde, offiziell aber jung bei einem Brand ums Leben gekommen sein soll – doch ein leerer Grabstein und zwielichtige Auskünfte deuten schnell darauf hin, dass dieser Tod möglicherweise nur vorgetäuscht ist.

Parallel dazu verfolgt der Film ein zweites Pärchen: den unter falschem Namen lebenden Juwelier Arthur Adamson und seine Komplizin Fran, die reiche Leute entführen und sie gegen kostbare Edelsteine wieder freilassen. Arthur ist in Wahrheit Edward Shoebridge, der seine Adoptiveltern ermordet, seine eigene Beerdigung fingiert und sich eine neue Existenz aufgebaut hat; seine Beute versteckt er provokativ «offen sichtbar» in einem funkelnden Kronleuchter über der Treppe.

Als Arthur erfährt, dass George in seiner Vergangenheit herumstöbert, zwingt er seinen alten Komplizen Maloney, das neugierige Paar zu beseitigen – was in einer spektakulären Sabotagefahrt mit versagenden Bremsen und Maloneys eigenem tödlichen Unfall gipfelt.

Blanche kommt der Wahrheit dennoch immer näher und steht schliesslich selbst vor Arthurs Haustür, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass eine reiche Tante ihn zum Erben machen will. Dabei stolpert sie über den bewusstlosen Bischof Wood, das aktuelle Entführungsopfer, und wird von Arthur und Fran kurzerhand betäubt und in einem Kellerraum eingeschlossen, während die beiden die Lösegeldübergabe durchziehen.

George findet Blanches Wagen, bricht in das Haus ein und beobachtet versteckt, wie Arthur plant, ihre «Selbstmord»-Geschichte zu inszenieren; im letzten Moment gelingt es ihm, Blanche zu befreien und die Kidnapper in ihrem eigenen Keller einzuschliessen, während der kostbare Diamant im Kronleuchter schon darauf wartet, von den vermeintlichen Betrügern als unerwartete Belohnung entdeckt zu werden.

Cameo

Hitchcock ist in «Family Plot» in einer kurzen Schatten-Silhouette hinter einer Tür zu sehen. Etwa 40 Minuten nach Filmbeginn erkennt man sein charakteristisches Profil hinter der matt verglasten Tür des «Registrar of Births & Deaths», wo er offenbar mit einer Frau neben sich gestikulierend spricht beziehungsweise sie zurechtweist.

Production Facts
  • «Family Plot» basiert auf Victor Cannings Roman «The Rainbird Pattern», den Ernest Lehman – bereits Drehbuchautor von «Der unsichtbare Dritte» – für Hitchcock adaptierte.
  • Der Film war Hitchcocks 53. und letzter vollendeter Spielfilm; das nachfolgende Projekt «The Short Night» blieb unrealisiert, sodass «Family Plot» zu seinem filmischen Abschied wurde.
  • In der frühen Entwicklungsphase trug das Projekt den Arbeitstitel «Deceit», weil Hitchcock die Handlung vom englischen Schauplatz der Vorlage nach Kalifornien verlegte und den Stoff stärker als leichte, schwarze Komödie anlegte.
Fun Facts
  • John Williams schrieb die Musik zu «Family Plot» – seine einzige Zusammenarbeit mit Hitchcock – und prägte sich ein, wie der Regisseur bei einer Diskussion über ein heiteres Stück sagte: «Mr. Williams… murder can be fun!»
  • In einer kleinen Nebenrolle ist Radio-Legende Casey Kasem zu sehen, der im englischsprachigen Raum vor allem als Stimme von «Shaggy» aus «Scooby‑Doo» bekannt ist und sonst selten klassische Filmrollen spielte.
  • Karen Black entwarf grosse Teile von Frans Verkleidungen selbst und trug im Film bewusst wechselnde Perücken und Outfits, um die chamäleonhafte, rollenspielende Ader ihrer Figur zu unterstreichen.
Pannen & Patzer
  • In der Entführungsszene öffnet einer der FBI‑Agenten oben die Tür des Helikopters; im Fenster sieht man deutlich einen Mann sitzen, vermutlich einen Stunt‑Double oder Piloten. Im anschliessenden Schnitt ist an derselben Stelle aber ein anderer Mann zu sehen – Gesichtsform und Erscheinung passen nicht zusammen, was auf zwei unterschiedlich gedrehte Einstellungen mit verschiedenen Personen schliessen lässt.
  • In vielen Innenaufnahmen des Taxis, etwa bei der Bergabfahrt, werden die Strassenszenen per Rückprojektion eingespielt. Die Bewegungen der Darsteller – Lenkbewegungen, Körperneigung – passen jedoch häufig nicht zur Dynamik des projizierten Strassenbildes, das mal viel schneller, mal deutlich ruhiger wirkt; dadurch entsteht ein spürbarer Bruch zwischen vermeintlicher Fahraction und den eher «gemütlichen» Reaktionen im Wagen.
  • Wenn Blanche in Georges Taxi sitzt, ist die künstliche Hintergrundprojektion besonders auffällig. Die vorbeiziehenden Strassenlampen und Lichtquellen wandern stellenweise direkt «durch» Georges Hut und Kopf hindurch, als ob sein Umriss nicht korrekt vom Hintergrund getrennt wäre – ein klassischer Effekt‑Patzer, der die Studioaufnahme entlarvt.
Erscheinungsjahr
1976
Premiere
9. April 1976
Laufzeit
120 Minuten