A Tribute to the Master of Suspense

The Pleasure Garden

Irrgarten der Leidenschaft

Choristin Patsy Brand hilft der mittellosen Jill Cheyne zu einem Job im Pleasure-Garden-Theater in London. Während Jill zur gefeierten Tänzerin aufsteigt, Hugh verlässt und sich einem reichen Prinzen zuwendet, bleibt Patsy bodenständig und heiratet den scheinbar soliden Levet. In Afrika entpuppt sich Levet als gewalttätiger Ehebrecher und Mörder; seine Schuldgefühle treiben ihn in Wahnvorstellungen, bis Patsy sich von ihm befreien kann und mit Hugh nach London zurückkehrt.
Plot

«The Pleasure Garden» folgt zwei Revuegirls im Londoner Pleasure‑Garden‑Theater und ihren sehr unterschiedlichen Wegen in Liebe und Moral. Patsy Brand arbeitet als bodenständige Choruseuse und beobachtet, wie ein überwiegend männliches Publikum die Tänzerinnen gierig mit Opernglas und Blicken verschlingt.

Vor dem Theater trifft sie auf Jill Cheyne, eine naive junge Frau, der gerade Geld und Empfehlungsschreiben gestohlen wurden, und nimmt sie bei sich auf. Patsy verschafft Jill einen Job als Tänzerin; bald steigt Jill zur Starattraktion auf, während Patsy weiter im Hintergrund schuftet. Auf einer Party lernt Jill den Abenteurer Hugh Fielding kennen, verlobt sich mit ihm – und beginnt gleichzeitig, mit reichen Verehrern und einem europäischen Playboy zu flirten, sobald Hugh ins Ausland aufbricht.

Patsy heiratet unterdessen Levett, einen scheinbar respektablen Mitarbeiter des Theaters, und folgt ihm in eine abgelegene Kolonialstation, wo er als Verwalter arbeitet. In der Hitze und Isolation des «Dschungels» verliert sich Levetts Fassade: Er trinkt, wird misstrauisch und brutal, und beginnt eine Affäre mit einer einheimischen Frau. Als Patsy die Untreue entdeckt, eskaliert die Situation; Levett versucht, die Geliebte loszuwerden, es kommt zum Streit, und er ertränkt die Frau im Wasser – eine Tat, die er vor Patsy zu verbergen sucht. Gleichzeitig erfährt Patsy, dass Hugh schwer erkrankt in einer abgelegenen Mission liegt, nachdem ihn eine Tropenkrankheit niedergestreckt hat. Sie beschliesst, ihn zu pflegen, obwohl sie selbst in einer zerrütteten Ehe steckt, und bittet Jill in einem Brief um Geld für die Reise.

Jill, inzwischen erfolgreiche Geliebte eines Playboys, verweigert die Unterstützung und ignoriert Patsys Not. Patsy leiht sich das Fahrgeld von ihren Vermietern, reist zu Levetts Station und findet ihn vom schlechten Gewissen über den Mord verfolgt. Hitchcock lässt den Geist der getöteten Geliebten aus einem Moskitonetz über Levetts Bett auftauchen – halb Spuk, halb Manifestation seines Wahns. Levetts Paranoia steigert sich, bis er überzeugt ist, die tote Frau werde ihn erst in Ruhe lassen, wenn er auch Patsy tötet. In einer nächtlichen Konfrontation verfolgt er Patsy mit einem Schwert, doch bevor er zuschlagen kann, wird er erschossen und damit gestoppt.

Patsy und der gerettete Hugh finden Trost nacheinander und kehren gemeinsam nach London zurück. Dort haben sich die Rollen endgültig gedreht: Jills Karriere mag erfolgreich sein, doch ihre Beziehungen sind leer und käuflich, während Patsy, die zunächst als einfache, gutmütige Freundin eingeführt wurde, nun als moralisch gefestigte Frau mit einer zweiten Chance auf Liebe erscheint. Der Film verbindet so Revue‑Leichtfüssigkeit mit Melodram und kolonialer Gothic‑Atmosphäre und legt in seinem ersten Langfilm bereits viele Motive offen, die Hitchcock später weiterentwickelt – Voyeurismus, trügerische Glamourfassaden und Frauenfiguren zwischen Begehren und Gefahr.

Cameo

In «The Pleasure Garden» gibt es keinen bestätigten Hitchcock‑Cameo. Standard‑Cameo‑Listen und Restaurationsberichte nennen den Film ausdrücklich als eines der frühen Werke ohne Auftritt des Regisseurs vor der Kamera.

Production Facts
  • «The Pleasure Garden» basiert auf einem Roman von Oliver Sandys (1923) und war Hitchcocks erster vollendeter Langfilm, eine britisch‑deutsche Koproduktion.

  • Gedreht wurde 1925 unter anderem in München, Genua, Alassio und am Comer See; das Team reiste per Zug und Schiff durch Europa.

  • Bei der Einreise nach Italien wurden die Rohfilme beschlagnahmt, weil der Kameramann sie im Versuch der Zollumgehung unter Hitchcocks Kojen versteckt hatte; die Crew musste neues Material kaufen, was das Budget stark belastete.

Fun Facts
  • Die Eröffnungssequenz mit Chorusgirls auf einer Wendeltreppe, gaffenden Zuschauern und einem Opernglas gilt als «Mini‑Showreel» späterer Hitchcock‑Motive wie Voyeurismus und spiralförmige Bildkompositionen.

  • Patsys Hund Cuddles sorgt für wiederkehrenden Slapstick; Kritiker sehen in dieser Mischung aus trockener und derber Komik einen Vorläufer der humorvollen Entlastungsmomente in Hitchcocks Thrillern.

  • Das Ghost‑Element um Levetts tote Geliebte wirkt heute überzogen, zeigt aber früh Hitchcocks Interesse an subjektiver Wahrnehmung und Schuldvisionen statt «objektiver» Geister.

Pannen & Patzer
  • In einigen Theater‑Einstellungen wechseln die Positionen von Zuschauern und Requisiten (Stühle, Plakate) zwischen Schnitt und Gegenschnitt, ohne dass ein Zeitsprung markiert ist.

  • Kritiken und Rückblicke bemängeln ein tonal unausgewogenes Drehbuch: Der Wechsel von Revue‑Komödie zu Kolonial‑Melodram wirkt abrupt und lässt die Struktur leicht zerrissen erscheinen.

  • In den Aussenaufnahmen am Wasser sind Wasserstand und Wellenbewegung zwischen aufeinanderfolgenden Shots nicht immer konsistent, was bei Drehs über mehrere Tage sichtbar wurde.

Erscheinungsjahr
1925
Premiere
1. März 1926
Laufzeit
75 Minuten