Jane Wyman, 1917 als Sarah Jane Mayfield in St. Joseph, Missouri, geboren, stieg in den 1940er-Jahren von der Typenrolle zur anerkannten Charakterdarstellerin auf. Mit Filmen wie «The Lost Weekend», «The Yearling» und vor allem «Johnny Belinda», für den sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, etablierte sie sich als Gesicht des seriösen Hollywood-Melodrams – oft als scheinbar einfache Frau, in der sich grosse innere Stärke verbirgt. In den 1950er-Jahren prägte sie Douglas-Sirk-Klassiker wie «Magnificent Obsession» und «All That Heaven Allows» und kehrte in den 1980ern mit der TV-Serie «Falcon Crest» noch einmal als dominante Matriarchin in die Populärkultur zurück.
Ihre direkte Verbindung zu Alfred Hitchcock ist «Stage Fright» (1950), ein in London gedrehter Thriller, in dem Wyman die Schauspielschülerin Eve Gill spielt, die sich in einen Mordfall verstrickt. Hitchcock nutzt ihre Mischung aus Bodenständigkeit und Wandlungsfähigkeit: Eve schlüpft in Rollen, täuscht Akzente vor und wird zur Amateurdetektivin, ohne jemals die sympathische, leicht verunsicherte Studentin zu verlieren. Wyman verankert den Film emotional und bildet das Gegenstück zur glamourösen Marlene Dietrich – hier die arbeitende Schauspielerin, dort die distanzierte Diva. So erweitert sie das Spektrum der Hitchcock-Heldinnen um eine Figur, die weniger von Neurose als von Pragmatismus und Spiellust geprägt ist, ohne dass die typische moralische Ambivalenz dabei verloren ginge.