The Hitchcock Archive

A Tribute to the Master of Suspense

June Tripp

June Tripp, 1901 im englischen Seebad Blackpool als June Howard-Tripp geboren, war eine typische Erscheinung des britischen Unterhaltungsbetriebs der 1920er-Jahre: Revuekünstlerin, Bühnendarstellerin und gelegentliche Stummfilmakteurin. Ihre Leinwandkarriere blieb zahlenmässig überschaubar, doch ihre Mischung aus mädchenhafter Anmut und professioneller Präsenz machte sie in Londoner Theaterkreisen bekannt, bevor sie durch Heirat zeitweise zur Society-Figur aufstieg. Später tauchte sie nur noch sporadisch im Film auf, etwa als Erzählerin in Jean Renoirs The River oder in kleinen, teils ungenannten Rollen.

Ihr filmhistorisch wichtigster Auftritt ist untrennbar mit Alfred Hitchcock verbunden: In The Lodger: A Story of the London Fog (1927) spielt sie Daisy, die Tochter des Vermieterehepaars, die sich zum mysteriösen Untermieter hingezogen fühlt. Hitchcock setzt June Tripp als frühen Prototyp seiner später sprichwörtlichen «blonden» Heldinnen ein – eine junge Frau, die zugleich Objekt des Begehrens, Projektionsfläche für Angstfantasien und handelnde Figur ist. Ihre helle Erscheinung bildet einen bewussten Kontrast zur düsteren, nebelverhangenen London-Atmosphäre, während ihr Spiel zwischen Unschuld, Neugier und unterschwelliger Faszination für das Bedrohliche pendelt. So markiert June Tripps Daisy einen frühen Moment, in dem sich Hitchcocks Interesse an weiblichen Figuren zeigt, die mehr sind als Opfer oder Dekoration: Sie sind integraler Teil des psychologischen Spannungsgeflechts, das sein Kino definieren wird.

Geboren
11. Juni 1901

Gestorben
14. Januar 1985

Filmographie
Daisy