Margaret Lockwood, 1916 in Karachi geboren und in England aufgewachsen, avancierte in den späten 1930er- und 1940er-Jahren zur populärsten britischen Filmschauspielerin ihrer Generation. Mit ihrem dunklen Haar, dem markanten Schönheitsfleck und einer Mischung aus Witz und Entschlossenheit verkörperte sie sowohl liebenswerte Heldinnen als auch moralisch zwiespältige Figuren. Nach frühen Erfolgen in Komödien und Dramen wurde sie mit Filmen wie «The Man in Grey» und «The Wicked Lady» zum Star der Gainsborough-Melodramen und prägte das Bild der selbstbestimmten, wenn auch oft gesellschaftlich geächteten Frau.
Ihre wichtigste Verbindung zu Alfred Hitchcock ist die Hauptrolle der Iris Henderson in «The Lady Vanishes» (1938), einem seiner letzten britischen Filme vor dem Wechsel nach Hollywood. Lockwood spielt eine verwöhnte junge Engländerin, die auf einer Zugfahrt in Europa langsam von der oberflächlichen Urlauberin zur hartnäckigen Wahrheits-Sucherin wird, nachdem ihre ältere Reisebekanntschaft spurlos verschwindet. Hitchcock nutzt ihre Lebendigkeit und Schlagfertigkeit: Iris ist keine klassische «Hitchcock-Blondine», sondern eine wache, ironische Partnerin für Michael Redgraves Figur – und trägt den Film als aktive Ermittlerin, die sich gegen Gaslighting und kollektive Verleugnung behauptet. Lockwood selbst bezeichnete den Film später als einen der Höhepunkte ihrer Karriere, und aus heutiger Sicht wirkt Iris wie ein früher Entwurf jener selbstständig denkenden Hitchcock-Heldinnen, die das Rätsel nicht nur erleben, sondern lösen.