Norman Lloyd, 1914 in Jersey City geboren, war einer dieser nahezu «heimlichen» Säulen der Film- und Fernsehgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aus dem politisch geprägten New Yorker Theater- und Federal-Theatre-Project-Umfeld kommend, arbeitete er zunächst mit Orson Welles und John Houseman, bevor er in Hollywood als vielseitiger Charakterdarsteller, Regisseur und Produzent reüssierte. Seine Karriere umspannte mehr als acht Jahrzehnte – von Bühnen-Engagements der 1930er über «Limelight» und «Dead Poets Society» bis zu TV-Auftritten im hohen Alter.
Mit Alfred Hitchcock verbindet Lloyd eine der langlebigsten und dichtesten Kollaborationen im gesamten Umfeld des Regisseurs. Als Nazi-Saboteur Fry in «Saboteur» stürzt er von der Freiheitsstatue in einen der ikonischsten Filmtode der Hitchcock-Filmografie; in «Spellbound» taucht er als undurchsichtiger Mr. Garmes auf. Noch bedeutender ist seine Arbeit hinter den Kulissen: Als Schauspieler, Regisseur, Associate und später Executive Producer prägte er über Jahre «Alfred Hitchcock Presents» und «The Alfred Hitchcock Hour» und war an Hunderten Episoden beteiligt. Lloyd fungierte dabei als eine Art verlängerter Arm Hitchcocks im Fernsehen – jemand, der dessen Sinn für Suspense, Ironie und Präzision verstand und in das Serienformat übersetzen konnte. So wird er zu einer Schlüsselfigur dafür, wie sich der «Hitchcock-Ton» vom Kino auf den Bildschirm der 1950er- und 1960er-Jahre übertrug.