Ray Milland (1905–1986) war ein walisischer Schauspieler, der sich vom eleganten Studioleadingman zum Charakterdarsteller mit erstaunlicher Bandbreite entwickelte. In den 1930er- und frühen 1940er-Jahren sah man ihn häufig in Abenteuerfilmen, Komödien und Melodramen; sein Image war das des kultivierten, leicht ironischen Gentlemans. Mitte der 1940er-Jahre sprengte er dieses Bild mit Billy Wilders The Lost Weekend, in dem er einen alkoholkranken Schriftsteller spielte und dafür den Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt. Danach blieb er ein gefragter Hauptdarsteller, wechselte später aber zunehmend ins Fernsehen und übernahm auch Regiearbeiten.
Für Alfred Hitchcock wurde Ray Milland zur idealen Besetzung eines charmanten, aber moralisch gefährlichen Mannes. In Dial M for Murder (1954) verkörpert er Tony Wendice, einen ehemaligen Tennisprofi, der mit kalter Präzision den Mord an seiner Frau plant – eine Figur, in der höfliche Konversation und eiskalte Berechnung untrennbar verschmelzen. Hitchcocks Interesse an der dunklen Seite scheinbar respektabler Bürger findet in Millands kontrolliertem Spiel eine perfekte Form: Bedrohung entsteht hier nicht durch Ausbrüche, sondern durch Ruhe. Später tauchte Milland noch einmal im Umfeld des Regisseurs auf, als Protagonist der Fernsehfolge «A Home Away from Home» in The Alfred Hitchcock Hour, wo er erneut eine schillernd zwiespältige Figur interpretierte.