Raymond Burr, 1917 im kanadischen New Westminster geboren, wurde mit seiner imposanten Statur, den markanten Augenbrauen und der dunklen Stimme schnell zum Inbegriff des filmischen Autoritäts- oder Schurkencharakters. In zahlreichen Film-noir-Produktionen der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre spielte er Gangster, Anwälte oder undurchsichtige Machtmenschen, bevor er im Fernsehen als Titelheld der Serien «Perry Mason» und später «Ironside» zu einem der vertrautesten Gesichter der US-Popkultur avancierte.
Im Kosmos von Alfred Hitchcock bleibt Burr vor allem als Lars Thorwald in «Rear Window» präsent – der scheinbar durchschnittliche, weisshaarige Nachbar, der vom misstrauisch-gefesselten Fotografen Jeff beobachtet und als möglicher Gattenmörder enttarnt wird. Hitchcock nutzt Burrs physische Präsenz und seine Fähigkeit zur minimalen, kontrollierten Mimik, um Thorwald bedrohlich wirken zu lassen, obwohl er im Film vergleichsweise wenig Dialog hat. Gerade diese Kombination aus stummer Alltäglichkeit und latenter Gewalt macht die Figur zum perfekten Projektionsschirm für Jeffs – und damit das Publikum betreffenden – Voyeurismus: Burr wird zum Spiegel für die Frage, ob das, was wir sehen wollen, tatsächlich die Wahrheit ist oder nur unsere schlimmste Fantasie in ein fremdes Fenster projiziert.