A Tribute to the Master of Suspense

The Man Who Knew Too Much (1934)

Der Mann, der zuviel wusste

Bob und Jill Lawrence erleben in den Schweizer Alpen den Mord an ihrem Freund Louis Bernard, der Bob im Sterben eine Nachricht über ein geplantes Attentat in London zusteckt. Um das Komplott zu schützen, entführt das Verbrechersyndikat Tochter Betty und zwingt die Eltern zum Schweigen. Zurück in London geraten sie an eine Sekte in einer Kapelle und müssen in der Royal Albert Hall das Attentat verhindern, ohne Betty zu gefährden.
Plot

Bob und Jill Lawrence verbringen mit ihrer Tochter Betty einen mondänen Winterurlaub in der Schweiz, wo sie beim Skisport und auf eleganten Abendveranstaltungen mit dem charmanten Franzosen Louis Bernard Bekanntschaft schliessen. Jill verliert ein prestigeträchtiges Tontaubenschiessen knapp gegen den Meisterschützen Ramon Levine, während Bob und Bernard eine ironische Männerfreundschaft pflegen.

Bei einem Ball wird Louis, während er mit Jill tanzt, durch das Fenster von einem Scharfschützen erschossen; bevor er stirbt, flüstert er Jill zu, in seinem Hotelzimmer sei eine wichtige Nachricht versteckt, die unbedingt an den britischen Geheimdienst gelangen müsse. Bob findet in Bernards Zimmer einen Zettel mit einer Londoner Adresse und dem kryptischen Hinweis auf ein geplantes Attentat, wird jedoch von der Polizei gestellt – und erhält gleichzeitig ein Telegramm, in dem ihm angedroht wird, dass Betty getötet wird, falls er irgendetwas verrät.

Zurück in London verschweigen Bob und Jill den Behörden, was sie wissen, und beginnen auf eigene Faust zu ermitteln. Die Spur auf dem Zettel führt Bob mit seinem Freund Clive zu einem scheinbar harmlosen Zahnarzt, dessen Praxis als Tarnung für eine Verschwörerzelle dient. In einem Hinterzimmer treffen sie auf den unheimlichen Abbott, einen kurzhaarigen, narbengesichtigen Strippenzieher, der zugleich den Scharfschützen Levine instruiert, bei einem Konzert in der Royal Albert Hall einen ausländischen Staatsgast zu erschiessen. Bob und Clive folgen den Männern in eine Londoner Kapelle, in der eine bizarre Sekte der «Sonnenanbeter» eine pseudo‑religiöse Zeremonie abhält; dort fliegen sie auf, Bob wird überwältigt und von der Bande gefangen genommen, während Clive entkommt.

Bob ruft Clive noch zu, er solle Jill in die Albert Hall schicken – nur sie könne das Attentat verhindern. Jill, innerlich zerrissen zwischen Angst um Betty und der Pflicht, ein Attentat zu verhindern, nimmt ihren Platz im Konzertsaal ein, wo Arthur Benjamins «Storm Clouds Cantata» den musikalischen Höhepunkt markiert. Sie weiss, dass Levine im Moment des grossen Paukenschlags feuern wird und wartet unter höchster Spannung; kurz vor dem entscheidenden Takt schreit sie, instinktiv und präzise getimt, so laut auf, dass der Schuss das Ziel verfehlt und der Staatsgast nur leicht verletzt wird. Levine flieht zurück in das Versteck der Bande – ein mehrstöckiges Haus in einer engen Londoner Strasse –, verfolgt von Scotland Yard, das nun das volle Ausmass der Verschwörung ahnt.

Vor dem Haus kommt es zu einer Belagerung, bei der die Polizei das Gebäude umstellt und ein heftiger Schusswechsel entbrennt. Bob gelingt es, sich zu befreien und ins Innere vorzudringen, wo Betty in einem Zimmer im oberen Stockwerk festgehalten wird; er rettet das Mädchen durchs Fenster auf das Dach, während die Gangster von unten aus feuern. Levine verfolgt Betty über die Dachkanten, doch Jill, selbst eine geübte Schützin, positioniert sich unten mit einem Gewehr. In einem direkten Echo auf das Tontaubenschiessen vom Anfang trifft sie Levine mit einem einzigen, kontrollierten Schuss, bevor er ihre Tochter erreichen kann, und in derselben Aktion gelingt der Polizei der Sturm auf das Haus, bei dem Abbott erschossen wird – die Lawrences sind wieder vereint, traumatisiert, aber als Familie gestärkt.

Cameo

In der 34er‑Fassung taucht Hitchcock in einer der frühen London‑Szenen kurz unter den Passanten auf, bleibt aber so unauffällig, dass der Auftritt in vielen Quellen kaum hervorgehoben oder präzise verortet wird.

Üblicherweise wird «The Man Who Knew Too Much» vor allem wegen Lorre und der Albert‑Hall‑Sequenz besprochen; der Cameo gehört zu den weniger ikonischen und ist im dichten Strassengewimmel leicht zu übersehen.

Production Facts
  • Das Drehbuch stammt von Charles Bennett und D. B. Wyndham‑Lewis und war von einer ursprünglich geplanten Bulldog‑Drummond‑Geschichte inspiriert, wurde dann aber zu einer eigenständigen Familien‑Spionagehandlung umgearbeitet.

  • Der Film entstand für Gaumont British, Aussenaufnahmen wurden in der Schweiz (St. Moritz‑Umgebung) realisiert, während die Innenräume – inklusive der beeindruckenden Albert‑Hall‑Kulisse – im Studio nachgebaut wurden.

  • «The Man Who Knew Too Much» wurde Hitchcocks bis dahin grösster englischer Erfolg und ebnete mit seinem internationalen Echo massgeblich den Weg für seine spätere Übersiedlung nach Hollywood.

Fun Facts
  • Peter Lorre, frisch aus Deutschland emigriert, sprach zum Zeitpunkt des Drehs kaum Englisch und lernte seine Dialoge phonetisch; sein Akzent und seine Mimik wurden dennoch zu einem prägenden Element der Figur Abbott.

  • Die «Storm Clouds Cantata», die im Konzert erklingt, schrieb Arthur Benjamin eigens für den Film; Hitchcock verwendete sie 1956 im Remake erneut, damals sichtbar von Bernard Herrmann dirigiert.

  • Auf die Unterschiede zwischen beiden Versionen angesprochen, sagte Hitchcock später, der Film von 1934 sei «von einem talentierten Amateur» gemacht worden, jener von 1956 von einem Profi – ein selbstironischer Kommentar zu seiner eigenen Entwicklung.

Pannen & Patzer
  • Die Schweizer Winterszenen mischen reale Aufnahmen mit offensichtlich künstlichen Studiobildern: In manchen Einstellungen wirkt der Schnee matt bemalt, während die Figuren «knietief» darin versinken müssten, was sie aber nicht tun.

  • In der Albert‑Hall‑Sequenz stimmt die exakte Platzierung der Musiker nicht durchgängig mit der realen Orchesteraufstellung überein; zwischen Totalen und Nahaufnahmen «wandern» einzelne Instrumentengruppen sichtbar.

  • Während der finalen Schiesserei ändern sich Einschusslöcher und Glasschäden an Fenstern zwischen verschiedenen Einstellungen, obwohl die Szene als ununterbrochener Schlagabtausch erzählt wird.

Erscheinungsjahr
1934
Premiere
9. Dezember 1934
Laufzeit
75 Minuten