Plot
«Topas» spielt 1962, im Schatten der Kuba-Krise. In Kopenhagen läuft der hochrangige sowjetische Geheimdienstoffizier Boris Kuzenov mit Frau und Tochter zur CIA über und bestätigt im Verhör, dass die Sowjets Raketen nach Kuba verlegen. CIA-Mann Mike Nordstrom braucht Beweise und bittet seinen französischen Freund, den Geheimagenten André Devereaux, um Hilfe, weil Frankreich gegenüber Kuba als «neutraler» erscheint.
Devereaux nutzt die Hochzeitsreise seiner Tochter Michèle nach New York als Tarnung und setzt seinen Schwiegersohn François Picard darauf an, den kubanischen UNO-Delegierten Luis Uribe zu bestechen, damit dieser geheime Dokumente aus dem Hotel des Sicherheitschefs Parra zum Fotografieren herausschmuggelt.
Der Plan gelingt nur knapp: Devereaux’ Kontaktmann Dubois fotografiert die Unterlagen, wird ertappt, kann Devereaux im letzten Moment die Kamera zustecken und im Getümmel entkommen. Die Fotos beweisen, dass sowjetische Raketenbasen in Kuba entstehen. Devereaux fliegt nach Havanna, wo seine Geliebte Juanita de Cordoba, Witwe eines Revolutionshelden, im Untergrund gegen das Regime arbeitet. Über Juanita und ihre Zelle versucht er, Parra und die sowjetischen Aktivitäten auszuleuchten, doch Parra kommt den Rebellen auf die Spur.
Juanita wird verraten, Parra lässt ihre Leute foltern, erfährt von der sterbenden Carlotta Mendoza, dass Juanita die Anführerin ist, und erschiesst sie im Moment der Umarmung, um sie vor weiterer Folter «zu retten». Devereaux entkommt mit Mikrofilmen knapp aus Kuba, wird am Flughafen zwar durchsucht, bleibt aber dank Juanitas mutigem Einsatz unbehelligt.
Zurück in Paris steht Devereaux unter Druck: Seine Frau Nicole hat von seiner Affäre erfahren und zieht sich verletzt zurück, während die politischen Auftraggeber misstrauisch werden. Kuzenov enthüllt nun, dass es in den französischen Reihen einen sowjetischen Spionagering gibt – Codename «Topas» –, der NATO‑Geheimnisse nach Moskau liefert. Als erster Verdächtiger gilt NATO‑Beamter Henri Jarré; Devereaux schickt François zu einem scheinbar harmlosen Interview, doch Jarré wird kurz darauf tot aufgefunden, der Mord als Selbstmord getarnt. François berichtet, er sei entführt worden, habe aber fliehen können, und erinnert sich an eine gehörte Telefonnummer ihres mysteriösen Auftraggebers «Columbine».
Nicole erkennt sowohl Jarré als auch die Telefonnummer: Sie hat Jarré aus dem Haus ihres alten Résistance‑Kameraden Jacques Granville kommen sehen und weiss, dass die Nummer Granvilles Appartment gehört. Schweren Herzens gesteht sie, dass ihr wohlhabender, politisch einflussreicher Liebhaber Granville der Kopf von «Topas» sein muss. In der US‑ und französischen Fassung stellt Granville sich nach der Konfrontation und wählt den Suizid, um einem Prozess und dem öffentlichen Verrat zu entgehen; in einer alternativen Fassung flieht er nach Moskau, während Devereaux rehabilitiert wird und sich mit seiner Familie versöhnt.
Cameo
In «Topas» taucht Hitchcock in einer Szene am New Yorker Flughafen LaGuardia auf. Etwa nach einer halben Stunde Film sieht man im Hintergrund einen älteren Mann in einem Rollstuhl, der von einer Krankenschwester über die Ankunftshalle geschoben wird, während André und Nicole Devereaux ihre Tochter Michèle und Schwiegersohn François begrüssen. Die Kamera bleibt bei den Hauptfiguren, doch am Bildrand stoppt der Rollstuhl plötzlich: Hitchcock steht völlig ungerührt auf, begrüsst einen Bekannten und spaziert zu Fuss aus dem Bild, als wäre der Rollstuhl nur Tarnung oder ein kleiner persönlicher Gag.
Der Cameo spielt mit Hitchcocks Image als «alternder» Regisseur: Nach aussen wirkt er gebrechlich, doch im nächsten Moment zeigt er, dass er noch laufen – und inszenieren – kann. Die Szene ist bewusst unspektakulär eingebettet, typisch für seine späten Filme, in denen er seine Auftritte eher als augenzwinkernde Randbemerkungen denn als Show-Einlagen nutzt.
Production Facts
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«Topaz» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Leon Uris, der sich lose an realen Spionageaffären der frühen 1960er‑Jahre orientiert (u.a. die «Sapphire/Topaz»-Affäre in Frankreich).
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Hitchcock drehte den Film mit überwiegend europäischen Darstellern und ohne klassischen Hollywood-Star, was das Studio skeptisch machte und mit ein Grund für die eher verhaltene Resonanz war.
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Wegen schlechter Testvorführungen existieren mehrere Enden: u.a. ein Duell im Stadion, Granvilles Suizid sowie eine Fassung, in der er nach Moskau flieht – je nach Schnittfassung variiert also die Auflösung des Verrats.
Fun Facts
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Hitchcock war mit dem Romanstoff zunächst nicht glücklich und bezeichnete «Topaz» später selbstironisch als einen seiner «problematischeren» Filme, vor allem wegen der episodischen Struktur.
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Die berühmte Einstellung von Juanitas Tod, bei der sich ihr lilafarbenes Kleid wie eine Blüte auf dem Boden ausbreitet, entwickelte sich trotz gemischter Kritiken zum vielleicht meistzitierten Bild des Films.
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In manchen Ländern wurden Szenen und sogar das Ende stark gekürzt oder umgeschnitten, sodass Zuschauer je nach Fassung ein teils deutlich anderes Verständnis von Figurenmotiven und Spionagering «Topaz» bekamen.
Pannen & Patzer
- Gleich zu Beginn sieht man Archivaufnahmen einer sowjetischen Militärparade, die im Film Anfang der 1960er‑Jahre spielen soll. Ein Transparent zur 50‑Jahr‑Feier der Oktoberrevolution verrät jedoch, dass das Material von 1967 stammt – ein klarer Anachronismus, weil der gezeigte Überläufer so nicht Jahre zuvor die Kuba‑Krise hätte vorwarnen können.
- In Philippe Dubois’ Büro hängt ein Kalender «September 1962», der deutlich an einem Dienstag beginnt. Historisch startete der September 1962 aber an einem Samstag, was den im Film behaupteten exakten Zeitraum der Handlung ad absurdum führt.
- Bei der Kamerafahrt durch die Eingangstür zu einer Hausparty schiebt sich links im Bild eine scheinbar geschlossene Tür unnatürlich früh zur Seite, damit die Kamera passieren kann – gut sichtbar, noch bevor sie aus dem Bildfeld verschwunden wäre. Ähnlich in der Hotelflur‑Szene mit Rico Parra: Eine Deckenlampe springt nach oben weg, um der auf Schienen geführten Kamera Platz zu machen, was den technischen Aufbau des Sets entlarvt.
1969
17. Dezember 1969
143 Minuten