The Hitchcock Archive

A Tribute to the Master of Suspense

Joan Fontaine

Joan Fontaine, 1917 in Tokio als Tochter britischer Eltern geboren, wurde in Hollywood zur Spezialistin für verletzliche, innerlich zerrissene Heldinnen. In den 1940er-Jahren profilierte sie sich mit Filmen wie «The Constant Nymph», «Letter from an Unknown Woman» oder «Jane Eyre» als Gesicht des romantischen Melodrams, häufig als sensible Frauenfigur, die an gesellschaftlichen Erwartungen und unerwiderten Obsessionen zu zerbrechen droht. Ihre komplizierte Beziehung zu Schwester Olivia de Havilland, ebenfalls Oscarpreisträgerin, trug zusätzlich zu ihrer Aura einer faszinierenden, zugleich hermetischen Starpersönlichkeit bei.

Mit Alfred Hitchcock schuf Fontaine zwei Schlüsselrollen seiner frühen Hollywood-Phase: die namenlose zweite Mrs. de Winter in «Rebecca» und Lina in «Suspicion». In «Rebecca» macht sie aus der schüchternen jungen Frau eine Projektionsfläche für Angst, Eifersucht und das Gefühl, einer toten Vorgängerin nie gewachsen zu sein. In «Suspicion» steigert sie diese Unsicherheit zur paranoiden Gewissheit, ihr Ehemann könnte ihr Mörder sein – eine Leistung, für die sie als einzige Darstellerin überhaupt einen Oscar für ein Hitchcock-Werk erhielt. Fontaine verkörpert damit den Prototyp der hitchcock’schen «troubled beauty»: zart, scheinbar passiv, im Inneren jedoch ein Seismograph für die verborgenen Erschütterungen der Handlung.

Geboren
22. Oktober 1917

Gestorben
15. Dezember 2013