Jessie Royce Landis (1896–1972) hatte das seltene Talent, mütterliche Figuren zugleich spitz, mondän und absolut lebendig wirken zu lassen. Die gebürtige US-Amerikanerin arbeitete jahrzehntelang vor allem am Theater, bevor sie in den 1950er-Jahren im Film zu einer unverwechselbaren Charakterdarstellerin reifte. Mit ihrer rauchigen Stimme, dem wachen Blick und einer fast spielerischen Nonchalance füllte sie Rollen wohlhabender Gesellschaftsdamen, die das Geschehen mit Humor, Skepsis und gelegentlicher Müdigkeit kommentieren. Statt bloss dekorative «Film-Mütter» zu liefern, zeichnete sie Frauen, die ihre Umgebung messerscharf durchschauen und sich trotzdem ihren Witz bewahren.
Jessie Stevens
Jessie Stevens ist die wohlhabende, temperamentvolle amerikanische Öl-Witwe in «To Catch a Thief» (1955). Sie reist mit ihrer Tochter Frances an die Riviera, steht auf der Liste der reichsten Schmuckbesitzer, liefert zugleich komische Kommentare und treibt durch ihr ungeniertes, flirtendes Auftreten die Handlung zwischen John Robie und Frances voran.