Plot
In einer stürmischen Nacht erreicht der neugierige Wanderer Fordyce ein halb verfallenes, leerstehendes Haus mit der Nummer 17 in einer Londoner Vorstadt, dessen Tür verdächtig offen steht. Im Inneren entdeckt er den schmuddeligen, wortreichen Landstreicher Ben, der behauptet, hier nur Schutz vor dem Wetter gesucht zu haben – und einen scheinbar toten Mann auf dem Boden.
Während die beiden sich gegenseitig verdächtigen, findet Fordyce eine Pistole, Handschellen und Anzeichen dafür, dass das Haus als Versteck genutzt wird; zugleich ertönt eine Uhr, die halb zwölf schlägt, und der «Leichnam» verschwindet plötzlich. Kurz darauf tauchen drei neue Gestalten auf: der glatte Brant, die angeblich taubstumme Nora und ein Mann namens Henry Doyle, die vorgeben, das Haus als Interessenten besichtigen zu wollen.
Die Atmosphäre kippt, als klar wird, dass Brant und seine Begleiter mit einem kurz zuvor begangenen Schmuckraub zu tun haben; die Beute – ein teures Halsband – soll irgendwo in diesem Haus versteckt sein. Ben gerät unter Verdacht, das Schmuckstück gefunden zu haben, und es kommt zu einer chaotischen Auseinandersetzung, bei der sich alle gegenseitig bedrohen und durchs marode Gebäude treiben: Treppen brechen, Dielen geben nach, und immer wieder scheint jemand in den Tod zu stürzen, der kurz darauf doch wieder auftaucht. Über eine Dachluke fällt schliesslich auch noch Miss Rose Ackroyd in die Gesellschaft, eine junge Frau, die ihren verschwundenen Vater sucht und in den Wirrwarr hineingerät, ohne zu wissen, dass ihr Vater eine direkte Verbindung zu dem Fall hat. Fordyce, der sich zunehmend wie ein Detektiv verhält, versucht, Rose zu schützen und gleichzeitig herauszufinden, wer in dieser bunt zusammengewürfelten Gruppe Verbrecher, wer Opfer und wer vielleicht ein getarnter Polizist ist.
Nach mehreren falschen Fährten zeigt sich, dass der vermeintliche Tote keineswegs tot ist, sondern sich als Sheldrake entpuppt, ein gefährlicher Komplize der Bande. Das verschwundene Halsband wird zwischen morschen Bodendielen und einem zerschlagenen Kronleuchter gefunden, wechselt mehrfach den Besitzer und wird schliesslich zum reinen Vorwand: Der Schmuck dient nur noch als MacGuffin, der die Figuren antreibt, während der eigentliche Fokus auf Flucht, Verfolgung und Identitätsspielchen liegt. Brant setzt sich mit Doyle, Nora und der Beute ab; Rose und Fordyce werden gefesselt zurückgelassen, während Ben und der wieder auftauchende «Leichnam» in einem Nebenraum eingeschlossen werden. In diesem Moment enthüllt sich, dass der scheinbar zwielichtige Mann in Wahrheit Roses verschollener Vater Ackroyd ist – ein Polizeibeamter, der sich tot stellte, um die Bande auszuspielen.
Mit Hilfe der plötzlich gar nicht mehr stummen Nora, die ebenfalls ein doppeltes Spiel spielt und die Rolle der Taubstummen nur vorgab, können Rose und Fordyce befreit werden. Man entdeckt einen unterirdischen Zugang vom Keller direkt zu einem Rangierbahnhof, über den die Diebe auf einen Güterzug Richtung Kontinent fliehen wollen. Es folgt eine ausgedehnte, teils bewusst überdrehte Verfolgungsjagd: Die Verbrecher auf dem Zug, Ben, Ackroyd und die anderen auf einem Bus, der über schmale Brücken und wackelige Strassen parallel zur Bahnlinie rast, während Modelle von Zug und Bus spektakulär durch Wind und Wetter schlingern. Nach Kollisionen, Bremsmanövern und beinahe slapstickhaften Katastrophen werden die Diebe schliesslich gestellt, der Zug stürzt in die Tiefe, und am Ende bleiben Rose, ihr rehabilitierter Vater, Fordyce und Ben etwas zerzaust, aber lebendig zurück – während das angeblich so wertvolle Halsband kaum mehr als Vorwand für diesen exzentrischen Thriller war.
Cameo
In «Number Seventeen» gibt es keinen sicher bestätigten, klar erkennbaren Cameo‑Auftritt Hitchcocks. Einige Fans und Listen behaupten, er sei während der finalen Bus‑Verfolgung als einer der panischen Fahrgäste im Inneren des Busses zu sehen; die vorhandenen Kopien sind jedoch zu unscharf, um dies zweifelsfrei zu belegen, weshalb seriöse Cameo‑Übersichten den Auftritt als «unconfirmed» vermerken.
Production Facts
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Der Film basiert auf J. Jefferson Farjeons Boulevardstück «Number Seventeen», das Hitchcock gemeinsam mit Alma Reville und Rodney Ackland adaptierte; er empfand die Vorlage als Klischee‑Thriller und beschloss, sie als burleske Parodie auf das Genre zu inszenieren.
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Hitchcocks eigentlicher Wunschstoff war das Drama «London Wall», während Regiekollege Thomas Bentley «Number Seventeen» drehen wollte; Produzent Walter Mycroft teilte die Projekte jedoch umgekehrt zu, sodass Hitchcock sich widerwillig mit dem Stoff arrangieren musste.
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Besonders aufwendig war für die damalige Zeit die finale Modell‑Verfolgung zwischen Zug und Bus, bei der Miniaturen, Rückprojektion und trickreiche Perspektiven kombiniert wurden – ein früher Vorläufer späterer Zug‑Sequenzen etwa in «The Lady Vanishes».
Fun Facts
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Co‑Autor Ackland erinnerte sich, Hitchcock habe beschlossen, den Film so zu drehen, dass er die üblichen Thriller‑Klischees heimlich «veralbere», in der Hoffnung, dass die Studioleitung den satirischen Ton gar nicht bemerken würde.
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Leon M. Lion, Produzent und Star der Bühnenversion, bestand darauf, auch im Film den kauzigen Ben zu spielen; Hitchcock mochte ihn angeblich nicht, musste ihn aber akzeptieren – ironischerweise wurde Lions chargierendes Spiel später oft als das Unterhaltsamste am Film gelobt.
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Trotz schwacher Kritiken bei Erscheinen fand der Film später prominente Fürsprecher; Filmhistoriker William K. Everson etwa verteidigte «Number Seventeen» als missverstandene, sehr britische Komödien‑Variante des Thrillers.
Pannen & Patzer
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Die Zug‑/Bus‑Verfolgung setzt stark auf sichtbare Modelle: In mehreren Einstellungen sind Proportionen von Fahrzeugen, Gleisen und Landschaft so offenkundig verkleinert, dass die Illusion realistischer Bewegung kaum funktioniert – ein technischer Bruch, den schon zeitgenössische Kritiken spottend erwähnten.
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Innerhalb des Hauses ändern sich die räumlichen Verhältnisse mehrfach: Türen führen plötzlich in andere Räume, Treppenläufe wirken zwischen Einstellungen länger oder kürzer, und ein Fenster, das nach vorne auf die Strasse ging, scheint später seitlich zum Hof zu liegen.
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Der Status der angeblichen Taubstummen Nora ist inkonsequent: In einigen Momenten reagiert sie deutlich auf Geräusche, die sie «eigentlich» nicht hören dürfte, noch bevor der Film auflöst, dass ihre Behinderung gespielt war – ein inhaltlicher und inszenatorischer Widerspruch.
1932
18. Juli 1932
66 Minuten