A Tribute to the Master of Suspense

The Trouble with Harry

Immer Ärger mit Harry

In einem idyllischen Herbstwald in Vermont stolpern mehrere Dorfbewohner nacheinander über die Leiche von Harry – und fast jeder glaubt, ihn versehentlich auf dem Gewissen zu haben. Während Captain Wiles, Künst ler Sam, Jennifer und Miss Graveley die Leiche immer wieder aus- und eingraben, entspinnt sich eine makabre, sehr trockene schwarze Komödie über Moral, Liebe und die Frage, wie viel ein Todesfall in einem kleinen Ort überhaupt «stört».
Plot

In einem abgelegenen Nest im herbstlichen Vermont stolpert der kleine Arnie Rogers beim Streifzug durch den Wald über eine Leiche: den regungslos daliegenden Harry Worp. Kurz darauf erscheint der pensionierte Seemann Captain Albert Wiles, der überzeugt ist, Harry versehentlich beim Jagen erschossen zu haben; seine grösste Sorge ist weniger Schuld als vielmehr der Ärger mit den Behörden.

Während der Captain überlegt, was mit der Leiche geschehen soll, stösst die exzentrische Miss Gravely hinzu, die Harry zuvor mit dem Absatz ihres Schuhs niedergeschlagen zu haben glaubt. Auch Jennifer Rogers, Arnies Mutter und Harrys entfremdete Ehefrau, fühlt sich schuldig: Sie hat Harry bei einem Streit mit einer Milchflasche am Kopf getroffen und ist heimlich erleichtert, ihn los zu sein.

Der leicht zynische, aber freundliche Maler Sam Marlowe beobachtet die Situation, nimmt alles mit trockenem Humor und beschliesst, den Beteiligten zu helfen. Da niemand die Polizei einschalten will, entwickeln sie eine bizarre Gemeinschaftsaktion: Harry wird begraben, wieder ausgegraben, anderswo erneut verscharrt und abermals hervorgeholt, je nachdem, welcher neue Aspekt der vermeintlichen «Schuldfrage» gerade auftaucht. Zwischen Waldlichtung, Wohnzimmern und Badewanne wandert die Leiche hin und her, während man sich mit Kaffee, Muffins und lakonischen Sprüchen versichert, dass eigentlich alles halb so wild sei. Die grösste Bedrohung scheint der pflichtversessene Deputy Sheriff Calvin Wiggs zu sein, der bei jedem Arrest Geld verdient und den man um jeden Preis auf Distanz halten will.

Im Laufe dieses makabren Reigens kommen sich Sam und Jennifer näher, und auch zwischen Captain Wiles und Miss Gravely wächst eine zarte Zuneigung. Schliesslich ergibt eine medizinische Untersuchung, dass Harry eines natürlichen Todes gestorben ist – keiner der Dorfbewohner hat ihn tatsächlich umgebracht. Die vermeintliche Schuld löst sich in Luft auf, und mit ihr auch die Notwendigkeit weiterer Vertuschungsmanöver; Harry wird ein letztes Mal ordentlich «entdeckt» und der Fall den Behörden überlassen. Sam verkauft seine Bilder an einen wohlhabenden Besucher und wünscht sich statt Geld nur kleine Geschenke für sich und die anderen, während sich die frischgebackenen Paare auf eine gemeinsame Zukunft freuen – der Ärger mit Harry hat, ganz nebenbei, mehrere Leben neu sortiert. 

Cameo

In «The Trouble with Harry» ist Hitchcock in einer idyllischen Alltags­szene am Strassenrand zu sehen, weit weg von Leiche und Wald. Rund 22 Minuten nach Filmbeginn hält die Limousine eines wohlhabenden älteren Herrn an einem ländlichen Verkaufsstand, an dem Gemälde ausgestellt sind. Während der Mann sich die Bilder anschaut, geht Hitchcock im Hintergrund hinter der geparkten Limousine vorbei, in einen langen, dunklen Mantel gekleidet und ohne jede Reaktion auf das Geschehen.

Der Auftritt dauert nur einen Augenblick und ist leicht zu übersehen, weil Hitchcock weder in den Vordergrund rückt noch in die Handlung eingreift. Er wirkt wie ein zufälliger Spaziergänger im sonnigen Vermont, was gut zur ironisch‑gelassenen Tonlage des Films passt – ein bewusst «unaufdringlicher» Cameo, von dem Hitchcock später scherzhaft sagte, man habe ihn ursprünglich sogar als Leiche Harry einsetzen wollen, es sei aber «fast unmöglich, einen Film auf dem Rücken liegend zu inszenieren».

Production Facts
  • Das Drehbuch von John Michael Hayes bleibt ungewöhnlich nah an Jack Trevor Storys Romanvorlage; Hitchcock strich bewusst zusätzliche Suspense‑Elemente und verlegte die Handlung von England ins herbstliche Vermont, um den Ton einer makabren Land‑Komödie zu treffen.

  • Geplant war, 23 von 30 Drehtagen on location in Vermont zu drehen, doch heftiger Regen und Kälte zwangen das Team, viele Wald‑ und Hügelszenen in einer Turnhalle einer örtlichen Highschool nachzubauen – inklusive künstlicher Bäume und Rückprojektionen.

  • Für die authentische Herbststimmung liess Paramount Kisten voller echter Laubblätter aus Vermont nach Hollywood schicken, um die Studiobäume zu «dekorieren»; die spätere Postproduktion musste zahlreiche in der lärmenden Turnhalle gedrehte Szenen komplett nachsynchronisieren.

Fun Facts
  • «The Trouble with Harry» war der Film­einstand von Shirley MacLaine, die damals kaum Filmerfahrung hatte; Hitchcock soll sie mit trockenem Humor begrüsst haben: «Sie haben noch keinen Film gemacht? – Das ist schon in Ordnung, ich auch nicht».

  • Der Film war bei seiner US‑Premiere 1955 an der Kinokasse ein Flop, gewann aber in Europa – besonders in Grossbritannien und Frankreich – Kultstatus, sodass er 1984 nach Jahrzehnten Rechteklausel erstmals wieder breit aufgeführt wurde.

  • Captain Wiles’ lakonischer Satz «What seems to be the trouble, Captain?» – gesprochen von der Spaziergängerin, die ihn mit Harrys Leiche im Wald überrascht – wurde zu einem kleinen Insider‑Running‑Gag unter Hitchcock‑Fans.

Pannen & Patzer
  • Als Miss Gravely den Captain in seiner Hütte besucht, steht im Hintergrund ein Kasten mit Signalflaggen, auf dem ein Modellschiff platziert ist; im letzten Umschnitt derselben Szene ist das Schiff plötzlich verschwunden.

  • In der vorletzten Szene hat Jennifer vorne auf der Bluse einen grossen nassen Fleck, der wenige Sekunden später – ohne sichtbaren Grund – komplett verschwunden ist.

  • Harrys Leiche verhält sich mehrfach nicht wirklich «tot»: In der Badszene zuckt deutlich ein Fuss, und wenn der Wanderer später erneut über ihn stolpert, ist mehrfach zu sehen, wie «Harry» sichtbar atmet.

Erscheinungsjahr
1955
Premiere
3. Oktober 1955
Laufzeit
99 Minuten