Plot
«Juno and the Paycock» spielt im Dublin der frühen 1920er-Jahre, während des Irischen Bürgerkriegs, und konzentriert sich auf die verarmte Arbeiterfamilie Boyle in einem heruntergekommenen Mietshaus. Familienoberhaupt «Captain» Jack Boyle ist ein grossspuriger, arbeitsfauler Trinker, der vor jeder Arbeit zurückweicht und seine Tage lieber mit Kumpel Joxer im Pub verbringt, weshalb ihn seine Frau Juno spöttisch Paycock – also Pfau – nennt.
Juno schuftet, um die Familie über Wasser zu halten, während die erwachsene Tochter Mary streikt und politisch engagiert ist und der Sohn Johnny schwer versehrt aus dem Unabhängigkeitskrieg zurückgekehrt ist und von Schuldgefühlen wegen eines Verrats an einem IRA-Kameraden geplagt wird.
Als der Anwalt Charles Bentham erscheint und verkündet, Jack habe von einem verstorbenen Verwandten ein beträchtliches Erbe zu erwarten, scheint sich das Blatt zu wenden. Die Boyles geben sich sofort dem Traum vom Aufstieg hin: Sie bestellen Möbel auf Kredit, kaufen luxuriöse Tücher, einen Plattenspieler und reichlich Essen und Alkohol, und sie schmieden Pläne für ein besseres Leben fern vom Elend der Stadt. Mary beginnt eine Beziehung mit Bentham und lässt ihren bisherigen Freund Jerry stehen, während Johnny sich mehr und mehr zurückzieht. In der engen Wohnung verschieben sich langsam die Machtverhältnisse – der bisher lethargische Jack spielt den grossen Mann des Hauses, Joxer profitiert von den neuen Vorräten, und Juno sieht mit wachsendem Unbehagen, wie auf Sand gebaute Hoffnungen alle blind machen.
Der Traum zerbricht abrupt, als sich herausstellt, dass Bentham das Testament falsch interpretiert hat und das Erbe gar nicht ausgezahlt wird. Gläubiger lassen die Möbel wieder abholen, Jack steht mit Schulden da, und selbst Joxer wendet sich von ihm ab, sobald es nichts mehr zu holen gibt. Parallel nimmt das persönliche Unglück seinen Lauf: Mary ist von Bentham schwanger, wird von ihm verlassen und schliesslich vom «Captain» in moralischer Empörung verstossen. Gleichzeitig rückt die IRA Johnny auf die Pelle, weil sie den Verräter in den eigenen Reihen sucht – eine Bedrohung, die er nicht mehr abwenden kann.
Schliesslich dringen die Schrecken des Bürgerkriegs direkt in den Alltag ein: Schüsse hallen durch die Strassen, und Johnny wird von seinen ehemaligen Kampfgefährten aufgegriffen und erschossen, weil er als Informant gebrandmarkt ist. Juno, die ihren Sohn verliert, ihre Tochter als unverheiratete Mutter schützen muss und ihren Mann im Suff versinken sieht, erkennt, dass in diesem Haus nichts mehr zu retten ist. Sie beschliesst, gemeinsam mit Mary und dem ungeborenen Kind neu anzufangen, weg aus der zerstörerischen Umgebung. Als Jack und Joxer betrunken in die nun leere Wohnung zurücktaumeln, sind Frau, Kinder und Mobiliar verschwunden; übrig bleibt ein lächerlicher «Captain», der einsam weitertrinkt, während draussen der Bürgerkrieg tobt. Der Film verbindet so tragische Familiengeschichte mit politischer Zerrissenheit und zeichnet das Bild einer Frau, die trotz aller Verluste versucht, ein Stück Würde und Zukunft zu bewahren.
Cameo
In «Juno and the Paycock» gibt es keinen sichtbaren Hitchcock‑Cameo; viele Filmographien führen ausdrücklich aus, dass dieser Film zu den wenigen seiner Karriere gehört, in denen er nicht auftaucht. Es existieren zwar Fotos, die ihn für eine Bar‑Szene in Barmann‑Kostüm zeigen, doch diese Szene wurde offenbar wieder entfernt, sodass ein möglicher Auftritt nur hinter den Kulissen überliefert ist.
Production Facts
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Der Film basiert nahezu wortgetreu auf Seán O’Caseys Bühnenstück von 1924; Hitchcock und Alma Reville änderten nur sehr wenige Szenen und übernahmen grosse Teile der Originalbesetzung aus Dublin und London.
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Gedreht wurde im Herbst/Winter 1929 für British International Pictures; inszeniert wurde überwiegend auf einem zentralen Wohnungsset, was den theatralischen Charakter der Inszenierung unterstreicht.
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«Juno and the Paycock» war Hitchcocks erster Film, der komplett als Tonfilm konzipiert und gedreht wurde, im Gegensatz zu «Blackmail», das noch als Stummfilm begann und später teilweise vertont wurde.
Fun Facts
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Das Wort «Paycock» ist die irische Umgangsform von «Peacock» und verweist darauf, dass Jack Boyle wie ein Pfau herumstolziert, ohne etwas Nützliches beizutragen.
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Hitchcock war mit dem Ergebnis selbst unzufrieden und beschrieb die Arbeit später als wenig kreativ, weil er das Stück fast «fotografiert» statt frei adaptiert habe.
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Der Film behielt den Mix aus Komik und Tragik des Theaterstücks bei, weshalb einige Zuschauer ihn als «zu bühnenhaft» empfanden, während Theaterfreunde gerade diese Werktreue schätzten.
Pannen & Patzer
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In einer Szene, in der die betrunkene Maisie Madigan durch die Küche läuft, wechseln die Armhaltungen von Mrs. Boyle zwischen zwei Schnittbildern abrupt – ein klassischer Continuity-Fehler.
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Wie viele frühe Tonfilme leidet der Film unter statischen Kameraeinstellungen und abgeschnittenen Köpfen, weil Mikrofone und Technik nur begrenzte Bewegungen zuliessen.
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Mehrere Momente, in denen Figuren offensichtlich stocken oder Text leicht verhaspeln, wurden im fertigen Film belassen, vermutlich weil Wiederholungen bei engem Budget und starrer Tonaufzeichnung zu aufwendig waren.
Erscheinungsjahr
1930
Premiere
29. Juni 1930
Laufzeit
94 Minuten