The Hitchcock Archive

A Tribute to the Master of Suspense

Charles Laughton

Charles Laughton, 1899 im englischen Scarborough geboren, war einer der markantesten Charakterdarsteller des 20. Jahrhunderts, auf Bühne wie Leinwand. Mit seiner massigen Statur, der wandelbaren Stimme und einem Gesicht, das zwischen sanfter Verletzlichkeit und monströser Autorität wechseln konnte, prägte er Figuren wie Heinrich VIII., Kapitän Bligh in Mutiny on the Bounty oder den tragischen Quasimodo in The Hunchback of Notre Dame. Laughtons Spiel verband technische Präzision mit fast barocker Übertreibung, was ihm einen Oscar und zahlreiche Klassikerrollen einbrachte; zugleich inszenierte er mit The Night of the Hunter einen der stilprägendsten Filme der 1950er-Jahre.​

Im Werk Alfred Hitchcocks hinterliess Laughton vor allem in Jamaica Inn (1939) und The Paradine Case (1947) seine Spuren. In Jamaica Inn spielt er den exzentrischen Sir Humphrey Pengallan, einen aristokratischen Squire, der als Drahtzieher einer Bande von Strandräubern entlarvt wird – eine Figur, die Laughton mit manierierter Eleganz, unsicheren Eitelkeiten und bedrohlicher Launenhaftigkeit auflädt. Seine schillernde Präsenz dominierte die Produktion so stark, dass er als (ungenannter) Mitproduzent in die Inszenierung eingriff und die Rolle Pengallans ausweitete, was Hitchcocks eigene Bewertung des Films später überschattete. In The Paradine Case verkörpert er schliesslich einen selbstgefälligen Richter, dessen Mischung aus Snobismus, Lust an der Macht und unterschwelliger Bosheit exemplarisch zeigt, wie Hitchcock Laughtons Fähigkeit nutzte, institutionelle Autorität als moralisch fragwürdige, beinahe groteske Macht erscheinen zu lassen.

Geboren
1. Juli 1899

Gestorben
15. Dezember 1962