A Tribute to the Master of Suspense

Psycho

Psycho

«Psycho» beginnt mit der Sekretärin Marion Crane, die 40'000 Dollar unterschlägt und auf der Flucht in einem abgelegenen Motel landet. Dort trifft sie den schüchternen Norman Bates und dessen dominante «Mutter» – bis die Duschszene den Film radikal kippen lässt. Hitchcock verknüpft 1960 Tabuthemen wie Sexualität und Gewalt mit der berühmten Mehrfachpersönlichkeit Normans.
Plot

Die Sekretärin Marion Crane ist ihres monotonen Alltags überdrüssig und sehnt sich nach einem gemeinsamen Leben mit ihrem Liebhaber Sam Loomis, doch beiden fehlt das Geld für einen Neuanfang. Als ihr Arbeitgeber sie beauftragt, 40’000 Dollar eines wohlhabenden Kunden zur Bank zu bringen, nutzt Marion die Gelegenheit, unterschlägt das Geld und flieht mit ihrem Wagen aus der Stadt. Auf der Fahrt wird sie von Schuldgefühlen und der Angst entdeckt zu werden gequält, gerät in ein Unwetter und verirrt sich schliesslich auf einer abgelegenen Landstrasse.

In strömendem Regen stösst sie auf das heruntergekommene Bates Motel, das vom schüchternen, höflichen Norman Bates geführt wird, der allein mit seiner dominanten, kränklichen Mutter auf dem Hügel oberhalb des Motels lebt – oder es zumindest behauptet. Beim gemeinsamen Abendessen in einem mit ausgestopften Vögeln dekorierten Raum zeigt sich Norman als sensibler Aussenseiter, dessen Leben ganz von der Mutter bestimmt zu sein scheint, was in Marion Mitgefühl, aber auch Unbehagen auslöst. In dieser Nacht fasst sie den Entschluss, das Geld zurückzubringen und ihr Fehlverhalten wiedergutzumachen, doch bevor es dazu kommt, wird sie beim Duschen in ihrem Zimmer von einer schemenhaften Frauengestalt brutal mit einem Messer ermordet.

Norman entdeckt die Leiche, ist entsetzt und macht scheinbar in panischer Loyalität gegenüber seiner Mutter alle Spuren des Verbrechens zunichte, indem er Körper, Gepäck und das Auto samt Geld in einem nahegelegenen Sumpf versenkt. Während Marion spurlos verschwunden bleibt, beauftragt ihr Arbeitgeber den Privatdetektiv Arbogast, der zusammen mit Marions Schwester Lila und Sam nach ihr und dem Geld sucht. Arbogast stösst auf das Bates Motel, durchschaut Normans Ausflüchte teilweise und will die Mutter im Haus befragen, doch auch er wird auf der Treppe von derselben geheimnisvollen Gestalt erstochen.

Da Arbogast nicht zurückkehrt, nehmen Lila und Sam die Suche selbst in die Hand und werden vom Sheriff darüber informiert, dass Normans Mutter seit zehn Jahren tot und begraben sei. Überzeugt, dass im Motel etwas nicht stimmt, lenkt Sam Norman ab, während Lila das düstere Haus durchsucht, das wie eine eingefrorene Erinnerung an die Mutter wirkt. Im Keller stösst sie schliesslich auf die mumifizierte Leiche von Mrs. Bates, als Norman – in den Kleidern seiner Mutter, mit Perücke und Messer – auftaucht, um Lila zu töten, jedoch in letzter Sekunde von Sam überwältigt wird.

Auf der Polizeistation erklärt ein Psychiater, Norman habe seine Mutter vor Jahren aus eifersüchtiger Besessenheit gemeinsam mit ihrem Liebhaber vergiftet, die Leiche ausgegraben, präpariert und danach eine zweite Persönlichkeit entwickelt, die der herrschsüchtigen Mutter. Diese «Mutter»-Persönlichkeit habe aus pathologischer Eifersucht auf jede Frau reagiert, die Normans Begehren weckte, und in diesen Zuständen die Morde an Marion und Arbogast begangen. In der Schlussszene sitzt Norman allein in seiner Zelle, vollständig von der Persönlichkeit der Mutter beherrscht, während draussen Marions Auto aus dem Sumpf gezogen wird – ein stummes Relikt ihres gescheiterten Versuchs zu entkommen.

Cameo

Alfred Hitchcocks Auftritt in «Psycho» ist kurz, unscheinbar und dennoch sehr präzise gesetzt. Etwa fünf bis sechs Minuten nach Filmbeginn, wenn Marion Crane nach ihrem heimlichen Treffen zu ihrem Arbeitsplatz zurückkehrt, sieht man durch das grosse Fenster der Immobilienfirma einen Mann auf dem Gehsteig stehen: Hitchcock selbst. Er trägt einen hellen Cowboy- bzw. Stetson-Hut und lehnt lässig vor dem Bürogebäude, beinahe wie ein Passant, den man im Alltag übersehen würde.

Bemerkenswert ist, dass Hitchcock sein Cameo bewusst so früh im Film platzierte. Er wusste, dass das Publikum seine Auftritte erwartete, und wollte verhindern, dass die Zuschauer später während der zunehmend spannungsgeladenen Handlung nach ihm «suchen», statt sich ganz auf Marion, Norman Bates und die Entwicklung im Bates Motel zu konzentrieren. Indem er sich bereits zu Beginn kurz zeigt, «erledigt» er diese Erwartung und lenkt alle Aufmerksamkeit anschliessend auf die Geschichte – ein kleiner, ironischer Auftritt, der gleichzeitig sein Spiel mit der Wahrnehmung des Publikums fortsetzt.

Production Facts
  • «Psycho» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch, der wiederum lose von den Verbrechen des Mörders Ed Gein inspiriert war.

  • Hitchcock drehte den Film bewusst in Schwarz-Weiss und nutzte grösstenteils das vergleichsweise günstige Team seiner TV-Serie «Alfred Hitchcock Presents», um mit einem sehr niedrigen Budget auszukommen.

  • Die berühmte Duschszene mit Marion Crane wurde vom 17. bis 23. Dezember 1959 gedreht, benötigte rund sieben Drehtage, etwa 70 Kameraeinstellungen und ergibt im fertigen Film nur rund 45 Sekunden reinen Mordablauf.

Fun Facts
  • Das «Blut» in der Duschszene bestand aus Schokoladensirup, weil dieser in Schwarz-Weiss dichter und realistischer wirkte als herkömmliches Filmblut.

  • Hitchcock liess Kinos anweisen, niemanden nach Vorstellungsbeginn in den Saal zu lassen, und nutzte Plakate mit sich selbst und einer Uhr, um auf Pünktlichkeit zu pochen – ein damals unübliches, aber äusserst wirkungsvolles Marketing.

  • Der gezeigte Toilettenabzug im Film war einer der ersten (wenn nicht der erste) in einem grösseren amerikanischen Kinofilm und galt zur Zeit der Zensurcodes als fast skandalös banal – ein kleiner Tabubruch im Badezimmer-Alltag.

Pannen & Patzer
  • Nachdem «Mother» Marion in der Dusche erstochen hat, verlässt sie das Motelzimmer und lässt die Tür deutlich offen stehen; als Norman wenig später zur Tür kommt, ist sie plötzlich geschlossen, ohne dass jemand sie zugemacht haben könnte.

  • Wenn Norman Marions Leiche im Bad entdeckt, stösst er ein gerahmtes Vogelbild von der Wand, das mit dem Bild nach oben und ein Stück von der Wand entfernt liegen bleibt; kurz darauf, während er den Duschvorhang vom Boden aufnimmt, liegt der Rahmen plötzlich mit der Bildseite nach unten direkt an der Wand.

  • In der Duschszene hört man, wie Marion ein frisches Stück Seife auspackt und das Papier auf den Boden wirft; als Norman später das Bad säubert, ist dieses Papier im Duschbereich vollständig verschwunden.

Erscheinungsjahr
1960
Premiere
16. Juni 1960
Laufzeit
109 Minuten