Plot
Eine schüchterne, namenlose junge Frau arbeitet als bezahlte Gesellschafterin der exzentrischen Mrs. Van Hopper in Monte Carlo, wo sie den melancholischen englischen Witwer Maxim de Winter kennenlernt. Trotz sozialer Unterschiede, ihrer Unsicherheit und Van Hoppers spöttischer Warnungen entwickelt sich zwischen der jungen Frau und Maxim eine vorsichtige Romanze, die in einem überraschend nüchtern formulierten Heiratsantrag endet.
Sie kehrt als neue Mrs. de Winter auf Maximens Landsitz Manderley in Cornwall zurück und hofft auf einen Neuanfang – doch das Haus ist noch immer ganz von der Erinnerung an die erste Frau, Rebecca, beherrscht.
Die neue Mrs. de Winter fühlt sich in der Grösse und Strenge des Anwesens verloren, überfordert von den gesellschaftlichen Erwartungen und eingeschüchtert von der kalt wirkenden Haushälterin Mrs. Danvers, die Rebecca verehrt und die Nachfolgerin subtil demütigt. Jeder Raum, jedes Kleidungsstück, jede Geste scheint noch von Rebecca geprägt, deren Schönheit und soziale Brillanz ihr von allen Seiten vorgehalten wird. Mrs. Danvers nutzt die Unsicherheit der jungen Frau aus, stellt Rebeccas makellose Wäsche und Garderobe aus und flüstert ihr ein, dass sie niemals an die Stelle der Toten treten könne.
Als der alljährliche Kostümball von Manderley bevorsteht, überredet Danvers die junge Mrs. de Winter, ein historisches Kleid zu tragen, das – ohne ihr Wissen – exakt dem Kostüm entspricht, das Rebecca bei ihrem letzten Ball trug. Als sie in dieser Kleidung die Treppe hinabsteigt, reagiert Maxim schockiert und wütend; die gedemütigte Frau erkennt, dass sie in eine grausame Falle gelockt wurde. In der Nacht darauf versucht Mrs. Danvers sie am Fenster zum Selbstmord zu verführen, doch ein plötzliches Schiffshorn unterbricht sie – vor der Küste ist ein Schiff auf Grund gelaufen.
Die Bergung des Wracks bringt eine schockierende Entdeckung: Man findet Rebeccas gesunkenes Segelboot mit einer Leiche an Bord. Damit wird klar, dass die zuvor identifizierte Tote keine Rebecca war und Maxim die Wahrheit jahrelang verschwiegen hat. In einem entscheidenden Gespräch gesteht er seiner Frau, dass die Ehe mit Rebecca in Wirklichkeit von Hass, Verrat und Erpressung geprägt war. Rebecca war promisk, zynisch und hatte mit ihrem Cousin Jack Favell ein Verhältnis; in der Nacht ihres Todes kam es zu einem Streit, bei dem sie stürzte, sich tödlich verletzte und Maxim ihre Leiche im Boot versenkte, um einem Skandal zu entgehen.
Die neue Mrs. de Winter reagiert nicht mit Entsetzen, sondern mit einer Art erwachter Entschlossenheit: Zum ersten Mal fühlt sie sich Maxim ebenbürtig und unterstützt ihn aktiv dabei, die anschliessende Untersuchung zu überstehen. Beim Inquest wird zunächst auf Selbstmord erkannt; Favell versucht, Maxim mit einer angeblichen Schwangerschaft Rebeccas zu erpressen, doch ein Arzt legt offen, dass Rebecca unheilbar an Krebs erkrankt war. Daraus ergibt sich, dass sie Maxim bewusst provoziert hatte, um ihn in den moralischen Ruin zu treiben – ein indirektes «Selbstmordspiel», das jedoch juristisch als Suizid gewertet wird.
Entlastet, aber innerlich gezeichnet, kehrt Maxim nach Manderley zurück – nur um am Horizont eine Feuerglut zu sehen. Mrs. Danvers, die Rebeccas «Sieg» nicht aufgeben will, hat das Haus in Brand gesteckt und stirbt in den Flammen, während die zweite Mrs. de Winter mit Maxim und dem Personal knapp entkommt. Die letzten Bilder zeigen das brennende Manderley, über dem Rebeccas mit ihrem Monogramm bestickte Nachthaube in den Flammen liegt – das Ende eines Hauses und eines Gespensts, das nie im Bild war und doch alles beherrscht hat.
Cameo
Hitchcocks Cameo in «Rebecca» findet sehr spät im Film statt. Direkt nachdem Jack Favell aus einer Telefonzelle telefoniert hat, sieht man im Hintergrund einen Mann mit dem Rücken zur Kamera an der Kabine vorbeigehen – Hitchcock, der schnell aus dem Bild verschwindet und damit einen seiner unauffälligsten, aber deutlich dokumentierten Auftritte absolviert.
Production Facts
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«Rebecca» war Hitchcocks erster Hollywood‑Film unter Vertrag mit David O. Selznick und basiert relativ werkgetreu auf Daphne du Mauriers Roman, wenngleich der Code untersagte, Maxim im Film als bewussten Mörder darzustellen.
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Drehort für Manderley waren Studiobauten und Miniaturen: Statt eines realen Anwesens liess Selznick umfangreiche Sets errichten und eine detaillierte Miniatur für die ikonische Einfahrt durch den Park verwenden.
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Der Film erhielt elf Oscar‑Nominierungen und gewann als bislang einziger Hitchcock‑Film den Academy Award für den besten Film sowie den für die beste Kamera (George Barnes).
Fun Facts
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Mehr als zwanzig Schauspielerinnen wurden für die Rolle der zweiten Mrs. de Winter getestet; Laurence Olivier wollte Vivien Leigh, doch Selznick entschied sich für Joan Fontaine, deren Unsicherheit am Set Hitchcock gezielt verstärkte, um die Nervosität der Figur zu spiegeln.
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Judith Andersons Mrs. Danvers wurde zu einer der ikonischsten Nebenfiguren des klassischen Kinos; ihre fast geisterhafte Präsenz, oft lautlos im Bild, prägt die Atmosphäre des Films entscheidend.
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«Rebecca» ist einer der frühen grossen Einsätze von «deep focus»-Fotografie in Hollywood: Mehrere Szenen nutzen grosse Tiefenschärfe, um Figuren im Vorder‑ und Hintergrund gleichzeitig deutlich zu zeigen, noch vor «Citizen Kane».
Pannen & Patzer
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Während der Untersuchung im Gerichtssaal zeigt die Wanduhr zu Beginn von Bens Aussage 11:48; wenige Filmminuten später steht der Zeiger bei 1:53, um beim Ohnmachtsanfall der Mrs. de Winter wieder auf 11:48 zurückzuspringen.
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Als die neue Mrs. de Winter erstmals im Schreibzimmer ihre Korrespondenz erledigt, sind die Bücher auf dem Tisch zunächst klar mit «menus» und «addresses» beschriftet; im Close‑up trägt das zuvor als «menus» gezeigte Buch plötzlich die Aufschrift «addresses».
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In den Szenen, in denen Maxim scheinbar an einem Tag nach London und zurück reist, suggeriert der Film eine Reisezeit, die zwischen Cornwall und London selbst mit moderner Infrastruktur unrealistisch wäre – ein geografisch‑zeitlicher Fehler aus der Romanvorlage, den der Film übernimmt.
1940
27. März 1940
130 Minuten