A Tribute to the Master of Suspense

Saboteur

Saboteure

Munitionsarbeiter Barry Kane wird fälschlich beschuldigt, ein kalifornisches Flugzeugwerk sabotiert zu haben, nachdem sein Kollege bei einem Brand ums Leben kommt. Kane macht sich quer durch die USA auf die Suche nach dem wahren Täter Fry und stösst auf ein Netzwerk faschistischer Verschwörer in höchsten Kreisen. Der Thriller von 1942 mündet in ein legendäres Finale auf der Fackel der Freiheitsstatue.
Plot

Der junge Flugzeugfabrik‑Arbeiter Barry Kane arbeitet während des Zweiten Weltkriegs in einer Rüstungsanlage in Kalifornien, als ein verheerendes Feuer ausbricht, bei dem sein bester Freund ums Leben kommt.

Barry weiss, dass der vermeintliche Kollege Frank Fry ihm kurz zuvor einen Feuerlöscher gereicht hat, der mit Benzin statt Löschmittel gefüllt war – ein Sabotageakt. Doch als die Ermittler Fry nicht in den Unterlagen finden, gerät Barry selbst unter Verdacht und soll als Sündenbock verhaftet werden.

Er flieht und folgt der einzigen Spur: einer Adresse, die er auf einem Umschlag in Frys Tasche gesehen hat. Sie führt ihn auf eine abgelegene Ranch des angesehenen Charles Tobin, der sich als Unterstützer einer geheimen Saboteur‑Organisation entpuppt und Barry eiskalt an die Polizei ausliefern will. Barry kann erneut entkommen, wird in der Wüste von der unabhängigen Pat Martin aufgegriffen und nimmt sie, um sich vor den Behörden zu schützen, zunächst gegen ihren Willen als «Geisel» mit.

Auf ihrer Flucht treffen sie auf eine Zirkuskarawane, deren bunt zusammengewürfelte Aussenseiter – Kleinwüchsige, starke Männer, Schausteller – Barry helfen, die Polizei auszutricksen. Pat, die Barry anfänglich für einen Kriminellen hält, beginnt langsam, seiner Geschichte zu glauben und entwickelt zunehmend Sympathie für ihn. Die Spur führt sie schliesslich nach Soda City, eine gespenstisch leere Modellstadt in der Wüste, die sich als Tarnbasis für weitere Saboteure entpuppt.

Barry gibt vor, sich der Gruppe anzuschliessen, um nach New York zu gelangen, wo der nächste Anschlag geplant ist. Pat missversteht dieses Manöver und alarmiert aus Loyalität zu ihrem Onkel, einem Polizisten, die Behörden – ein Schritt, der Barry erneut zur Zielscheibe macht, während sie selbst in die Hände der Verschwörer gerät. In New York wird Pat im Haus der reichen Patriotin Mrs. Sutton gefangen gehalten, wo sich die Saboteure unter die High Society mischen.

Barry dringt in das Haus ein und entdeckt den Plan: Die Verschwörer wollen beim Stapellauf des Kriegsschiffs «U.S.S. Alaska» im Brooklyn Navy Yard als falsche Wochenschaureporter auftreten und das Schiff mittels Sprengladung zerstören. Mit einem gezielten Feueralarm sorgt Barry für Chaos, rettet Pat und vereitelt die vollständige Sabotage – das Dock wird beschädigt, das Schiff bleibt jedoch unversehrt. Die Organisation versucht zu fliehen; der fanatische Fry entkommt zunächst und flüchtet schliesslich bis zur Freiheitsstatue.

Im Finale kommt es hoch oben auf der Fackel der Statue zur Konfrontation: Barry stellt Fry, der über das Geländer stürzt und sich am Arm der Statue festklammert. Barry versucht, ihn hochzuziehen, weil nur Fry seine Unschuld bezeugen kann, doch der Ärmel reisst, Fry stürzt in den Tod, und die Polizei erkennt endlich, dass Barry recht hatte. Mit dem zerschlagenen Saboteursnetzwerk und der gereinigten Ehre des Arbeiters endet der Film als patriotischer Aufruf zur Wachsamkeit gegen innere Feinde.

Cameo

Hitchcock erscheint in «Saboteur» etwa nach einer Stunde Laufzeit in New York. Während das Auto der Saboteure vor einer Drogerie mit dem Schild «Cut Rate Drugs» hält, steht er an einem Strassenkiosk und unterhält sich mit einer Frau – laut zeitgenössischen Berichten seine Sekretärin Carol Stevens –, bevor das Auto ins Bild kommt und die Szene weitergeht.

Eine ursprünglich gedrehte, längere Cameo‑Variante, in der Hitchcock und Dorothy Parker als altes Ehepaar auftreten sollten, wurde aus Rücksicht auf mögliche Missverständnisse verworfen.

Production Facts
  • «Saboteur» war Hitchcocks erster grosser Thriller, den er vollständig in den USA ansiedelte; das Drehbuch entstand u.a. mit Beiträgen von Dorothy Parker, Joan Harrison und Peter Viertel.

  • Universal inszenierte den Film als patriotischen Kriegs‑Thriller mit zahlreichen markanten Schauplätzen – von der Flugzeugfabrik über die Wüste und die Zirkuswelt bis zur Freiheitsstatue – um die Bedrohung durch «fünfte Kolonnen» im Inneren zu illustrieren.

  • Die Szene an der Freiheitsstatue wurde im Studio mit grossmassstäblichen Repliken der Fackel und Hand gedreht, kombiniert mit Rückprojektionen; sie gilt als Vorläufer für spätere Monument‑Setpieces wie Mount Rushmore in «North by Northwest».

Fun Facts
  • Der angedeutete Bezug auf das reale Unglück der «SS Normandie», deren Umkippen im New Yorker Hafen der Film als Sabotageakt suggeriert, führte zu Beschwerden der US‑Navy; die Szene blieb dennoch im Film.

  • Norman Lloyd, der den Saboteur Fry spielt, war damals in seinem ersten Filmauftritt zu sehen; seine spektakuläre Sturz‑Szene von der Freiheitsstatue machte ihn zu einem der einprägsamsten Hitchcock‑Schurken der 40er Jahre.

  • Hitchcock sah «Saboteur» selbst als eine Art Vorstudie zu «North by Northwest»: ein unschuldig Verfolgter, der quer durch Amerika reist und am Ende auf einem Monument mit seinem Gegenspieler ringt.

Pannen & Patzer
  • In Soda City zeigt eine Kalender‑Nahaufnahme deutlich mehr Spinnweben als die vorherige Totale; der Zustand des Requisits ändert sich sichtbar zwischen den Einstellungen.

  • An der Freiheitsstatue sind in manchen Einstellungen die Metallstreben und Sicherheitsvorrichtungen der Studiokulisse zu sehen, die in anderen Shots fehlen – ein Hinweis auf unterschiedliche Set‑Konfigurationen.

  • Bei der Flucht in der Wüste ist Barry in einer Aufnahme schweissnass, in der nächsten deutlich trockener, obwohl die Szene ohne Zeitversatz erzählt wird.

Erscheinungsjahr
1942
Premiere
22. April 1942
Laufzeit
109 Minuten