Plot
Die angehende Schauspielerin Eve Gill studiert an der RADA in London und ist heimlich in ihren Freund Jonathan Cooper verliebt. Eines Tages taucht Jonathan völlig aufgelöst bei ihr auf: Er wird von der Polizei gesucht, weil man ihn verdächtigt, den reichen Inwood, Ehemann des Revuestars Charlotte Inwood, aus Eifersucht ermordet zu haben.
In einer ausführlichen Rückblende erzählt Jonathan, Charlotte sei in der Nacht mit blutbeflecktem Kleid zu ihm gekommen; sie habe ihren Mann im Streit versehentlich getötet und ihn gebeten, heimlich ein sauberes Kleid aus dem Haus zu holen. Beim Versuch, das Blutkleid verschwinden zu lassen, sei Jonathan von Charlottes Zofe Nellie gesehen worden und daraufhin in Panik geflohen – nun halte man ihn für den Täter.
Eve bringt Jonathan bei ihren Eltern in Sicherheit und beschliesst, Charlottes Unschuldsgeschichte zu überprüfen. In einem Pub beobachtet sie Nellie, die lautstark mit ihrem «berühmten» Wissen prahlt, und gibt sich ihr gegenüber als Reporterin aus. Sie besticht Nellie, damit diese Charlotte eine angeblich kranke Cousine namens «Doris Tinsdale» empfiehlt – in Wirklichkeit Eve in Verkleidung. Als «Doris» lässt sich Eve von Charlotte als Zofe engagieren und erhält so Einblick in deren Garderobe, Privatleben und Affäre mit Manager Freddie Williams. Parallel dazu lernt sie bei ihren Nachforschungen den charmanten Detective Inspector Wilfred «Ordinary» Smith kennen, der mit dem Fall betraut ist; aus dem anfänglichen Katz‑und‑Maus‑Spiel entsteht schnell eine gegenseitige Zuneigung.
Bei einer Gartenparty der Schauspielschule, auf der Charlotte auftritt, treibt Eves exzentrischer Vater, Commodore Gill, das Spiel voran: Während Charlotte «La Vie en rose» singt, lässt er ein kleines Mädchen mit einer Puppe in blutbeflecktem Kleid durch das Zelt spazieren – ein Spiegelbild der Tatnacht. Charlotte bricht erschüttert zusammen, Nellie versucht Eve zu erpressen, und Smith beginnt zu ahnen, dass «Doris» und Eve ein und dieselbe Person sind. Nachdem Eve ihm ihre Doppelrolle und ihre Gefühle gesteht, überreden die Gills den Inspektor zu einer Falle: Im leeren Theater konfrontiert Eve Charlotte über ein verstecktes Mikrofon mit dem Blutkleid. Charlotte gibt zu, den Mord geplant zu haben, behauptet aber, Jonathan habe ihn tatsächlich ausgeführt, und bietet Eve Geld für ihr Schweigen.
Die Polizei hat Jonathan heimlich ins Theater gebracht; ihm gelingt erneut die Flucht, und Smith erklärt dem Commodore, Jonathan habe schon einmal einen Menschen getötet und sich damals auf Notwehr berufen. Unter der Bühne stellt Eve Jonathan im Versteck: Er bricht zusammen und gesteht, dass seine Rückblende gelogen war – Charlotte hat ihn angestachelt, ihren Mann zu töten, und er selbst hat das Blutkleid arrangiert. Nun droht er, auch Eve zu töten, um sich später auf Unzurechnungsfähigkeit berufen zu können. Eve täuscht Mitgefühl vor, lockt ihn auf die Bühne und alarmiert die Polizei; in der folgenden Verfolgung wird Jonathan vom herabsausenden Feuerschutzvorhang erschlagen. Während Charlotte nun als Mitwisserin überführt wird, bleiben Smith und Eve als neues Paar zurück – in einer Welt, in der Rollen, Masken und Lügen fast alle Beteiligten ins Verderben geführt haben.
Cameo
In «Stage Fright» ist Hitchcocks Cameo relativ früh in der London‑Montage zu sehen, die in den Alltag überleitet. Er geht dabei auf einer belebten Strasse an einer Litfasssäule bzw. einem Strassenschild vorbei, eine Zeitung unter dem Arm, im typischen dunklen Anzug mit Hut.
Er bewegt sich von links nach rechts durchs Bild, bleibt nicht stehen und interagiert mit niemandem; der Auftritt dauert nur ein, zwei Sekunden. Gerade weil er so beiläufig im Grossstadtgetümmel platziert ist, wirkt er wie ein anonymes Teil der Theater‑ und Vergnügungswelt, in der Eves und Charlottes Geschichte spielt.
Production Facts
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«Stage Fright» basiert auf Selwyn Jepsons Roman «Man Running», wurde aber stark umgearbeitet; Alma Reville und Whitfield Cook bauten die Rahmenhandlung um Eves Doppelrolle als Schauspielschülerin und Zofe aus, um das Motiv «Wir sind, was wir spielen» stärker in den Vordergrund zu rücken.
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Nach den kommerziellen Enttäuschungen von «Rope» und «Under Capricorn» entstand der Film erneut unter dem Label Transatlantic Pictures, war aber der letzte Hitchcock‑Film dieser Firma – das gemeinsame Projekt mit Sidney Bernstein wurde danach aufgelöst.
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Obwohl Hitchcock seit 1939 in Hollywood arbeitete, wurde «Stage Fright» komplett in London gedreht, mit überwiegend britischem Ensemble; nur Jane Wyman und Marlene Dietrich kamen als importierte Stars aus den USA bzw. Deutschland.
Fun Facts
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Für Marlene Dietrich machte Hitchcock eine seltene Ausnahme: Sie durfte bei Lichtsetzung, Kamerawinkeln und vor allem ihren Kostümen ein entscheidendes Wort mitreden; ihre Bühnenkleider stammen von Christian Dior und wurden wie ein eigener Produktionsblock behandelt.
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Der umstrittene «Lügen‑Flashback» zu Beginn – Jonathans geschönte Version der Tat – war Hitchcocks Idee; Alma Reville und andere warnten, das Publikum würde sich betrogen fühlen, was sich an den überwiegend kritischen Reaktionen tatsächlich zeigte.
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Patricia Hitchcock gibt hier ihr Filmdebüt als Chubby Bannister; hinter den Kulissen dublierte sie Jane Wyman in einigen Einstellungen, etwa beim Fahren des Autos, weil Wyman keinen britischen Führerschein hatte.
Pannen & Patzer
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In der Szene, in der Charlotte vor dem Spiegel ein schwarzes Kleid anprobiert, hat sie eine brennende Zigarette in der Hand; im Gegenschnitt auf Eve ist die Zigarette plötzlich verschwunden, um dann in der nächsten Einstellung wieder aufzutauchen.
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Wenn Charlottes Zofe Nellie im Pub vom Mord erzählt, wechseln ihre Hände zwischen den Einstellungen ihre Position: Mal hängen sie seitlich herab, im nächsten Moment kratzt sie sich mit der rechten Hand am Hinterkopf, ohne dass eine Bewegung gezeigt wird.
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Als Jonathan Charlottes blaues Kleid über den Schauplatz des Mordes trägt, ändert sich die Art, wie er es hält – einmal ist es ordentlich zusammengelegt über dem Arm, dann hängt es lose an der Hand herab – obwohl der Schnitt nahtlos wirken soll.
1950
23. Februar 1950
110 Minuten