Plot
Im Jahr 1831 trifft der junge irische Adelige Charles Adare mit seinem Cousin, dem neuen Gouverneur von New South Wales, in Sydney ein, in der Hoffnung, im australischen «Frontier» sein Glück zu machen. Bald lernt er den reichen, aber gesellschaftlich geächteten Ex‑Sträfling Samson «Sam» Flusky kennen, der ein riesiges Landimperium aufgebaut hat.
Da Sam die gesetzliche Obergrenze für Landkäufe erreicht hat, schlägt er Charles ein Geschäft vor: Charles soll offiziell Land erwerben und es Sam mit Gewinn weiterverkaufen. Gegen den Rat des Attorney General Corrigan nimmt Charles die Einladung an, bei Flusky zu Abend zu essen; dort trifft er zu seiner Überraschung auf Lady Henrietta, Sams Frau – eine frühere Freundin seiner Schwester aus Irland.
Henrietta, einst aristokratische Schönheit, ist nun alkoholkrank, verwahrlost und von den Damen der Kolonie gemieden. Die energische Haushälterin Milly beherrscht den Haushalt, kontrolliert das Personal mit harter Hand und versorgt Henrietta heimlich mit Alkohol, um sie weiter zu ruinieren. Sam bittet Charles, im Haus zu bleiben und sich mit Henrietta zu beschäftigen, in der Hoffnung, dass ein vertrautes Gesicht sie aus ihrer Depression holt. Zwischen Charles und Henrietta entsteht eine zarte, aber deutliche Nähe; er versucht, sie vom Trinken abzubringen und ermutigt sie, wieder Würde und Selbstbewusstsein zu gewinnen.
In Rückblenden erfährt Charles die gemeinsame Vorgeschichte des Ehepaars: Sam war einst Stallbursche im Haushalt von Henriettas Familie; beide verliebten sich gegen alle Standesgrenzen und brannten durch. Henriettas wütender Bruder verfolgte sie und stellte sie mit gezückter Waffe; in der Konfrontation fiel ein Schuss, der den Bruder tödlich traf. In Wirklichkeit hat Henrietta geschossen, doch Sam übernahm die Schuld und wurde zu lebenslanger Deportation nach Australien verurteilt. Henrietta folgte ihm, lebte sieben Jahre in Armut, bis Sam entlassen wurde; seitdem sind beide durch dieses Geheimnis und Schuldgefühle aneinander gekettet.
Milly, die Sam heimlich liebt, schürt Eifersucht und Misstrauen: Sie flüstert Sam ein, Charles mache Henrietta Avancen, und lässt ihn gezielt Missverständnisse beobachten. Parallel sabotiert sie Henriettas fragile Genesung, indem sie ihr Alkohol und Sedativa gibt und sogar einen Schrumpfkopf im Schlafzimmer versteckt, um Halluzinationen zu provozieren. Bei einem Ball im Gouverneurshaus, zu dem Henrietta – mit gefälschter Einladung – erscheint, erstrahlt sie für einen Abend fast wie früher, was Sams Besitzängste und Millys Intrigen verschärft. Nach einer manipulierten Szene in Henriettas Schlafzimmer wirft Sam Charles aus dem Haus.
In der Nacht reitet Charles heimlich mit Sams Lieblingsstute, verunglückt, das Pferd bricht sich das Bein, und im anschliessenden Streit im Hof löst sich ein Schuss: Charles wird schwer verletzt. Sam wird wegen versuchten Mordes verhaftet, und Henrietta sieht keinen Ausweg, als dem Gouverneur zu gestehen, dass Sam für den alten Mord unschuldig ist und sie selbst ihren Bruder erschossen hat. Gesetzlich müsste sie nach Irland ausgeliefert werden, doch Charles erholt sich und sagt vor dem Gouverneur aus, der Schuss sei ein Unfall gewesen, ohne Streit und ohne Absicht, und stützt damit Sams Unschuld. Millys Giftmischerei fliegt auf, sie wird aus dem Haus gejagt, und Sam und Henrietta erhalten eine zweite Chance: Von ihrem Geheimnis befreit, können sie in Australien neu beginnen, während Charles nach Irland zurückkehrt – seine Liebe zu Henrietta opferten beide zugunsten ihrer Erlösung.
Cameo
In «Under Capricorn» hat Hitchcock einen eher dezenten Doppel‑Cameo im öffentlichen Raum von Sydney. Zum ersten Mal sieht man ihn in einer frühen Szene auf dem belebten Platz vor dem Gouverneurssitz: Er trägt Mantel und braunen Hut und geht unauffällig durch das Bild, während im Vordergrund über die Ankunft des neuen Gouverneurs und des jungen Charles Adare gesprochen wird.
Einige Minuten später taucht er ein zweites Mal auf den Stufen des Government House auf, zusammen mit zwei anderen Männern; er steht als kleinerer Mann in der Mitte der Gruppe, als würde er gerade einem offiziellen Empfang beiwohnen. Beide Auftritte sind wortlos und nur kurz im Hintergrund zu sehen, fügen Hitchcock aber sichtbar in die koloniale Gesellschaft ein, die er in dem Film inszeniert.
Production Facts
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«Under Capricorn» war Hitchcocks zweiter Technicolor‑Film und setzte – wie «Rope» – auf extrem lange Takes bis nahe an die 10‑Minuten‑Grenze der Filmrolle, mit beweglichen Wänden und grossen, verschachtelten Sets, durch die die Kamera frei gleiten konnte.
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Produziert wurde der Film von Hitchcocks und Sidney Bernsteins Firma Transatlantic Pictures; die aufwendige Kostümproduktion sprengte das kalkulierte 2‑Millionen‑Budget und landete bei fast 3 Millionen Dollar, spielte aber nur etwa die Hälfte wieder ein.
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Gedreht wurde vollständig in England statt in Australien, obwohl Ingrid Bergman gerne vor Ort gedreht hätte; die langen Fahrten durch mehrere Räume in einem Take galten damals als technische Meisterleistung und übertrafen in einem Fall sogar die Rekordlänge der Einstellungen aus «Rope».
Fun Facts
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Hitchcock wollte ursprünglich Burt Lancaster als Sam Flusky, den «horny, manure‑smelling stable hand», konnte sich dessen Gage aber nicht leisten und nahm daher Joseph Cotten, den ihm David O. Selznick «auslieh».
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Bergman und Hitchcock stritten sich über die 10‑Minuten‑Takes; sie empfand das Set als «feindselig» und schrieb in Briefen, die Atmosphäre «töte einen», weil alle nur auf die Technik fixiert seien.
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Das Studio bewarb den Film irreführend als Mystery/Thriller mit Mord‑Versprechen («Murder Will Out!»), obwohl Hitchcock ihn bewusst als melodramatisches Periodendrama angelegt hatte – ein Marketing, das zu falschen Publikumserwartungen beitrug.
Pannen & Patzer
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In der Eröffnungssequenz mit der Gouverneursansprache geht Mr. Potter in einer Totalen auf Charles Adare zu; in der folgenden Einstellung wiederholt er exakt denselben Weg noch einmal, als hätte er sich «zurückgesetzt» – ein klarer Continuity‑Hänger.
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Bei einem der Dinners im Flusky‑Haus wechseln Gläser und Besteckpositionen zwischen den Schnitten: Ein Weinglas wandert vom linken auf den rechten Platz von Charles, ohne dass jemand es sichtbar umstellt.
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In einer Innen‑Aussen‑Montage stimmen Licht und Schatten nicht: Draussen ist tiefste Nacht, während in einem anschliessenden Blick aus demselben Fenster deutlich Tageslichtreflexe auf den Wänden im Hof zu sehen sind – ein durch Studio‑Belichtung verursachter Zeitfehler.
1949
8. September 1949
117 Minuten