Plot
«Jamaica Inn» spielt um 1820 an der sturmgepeitschten Küste Cornwalls, wo das abgelegene Wirtshaus Jamaica Inn als Tarnung für eine brutale Bande von Strandräubern dient. Die Männer unter der Führung des trunksüchtigen Wirts Joss Merlyn löschen bei Nacht die Signallaternen an der Küste, locken Schiffe auf die Felsen, töten die überlebenden Seeleute und rauben systematisch die Ladungen aus.
In dieses gefährliche Umfeld gerät die junge Irin Mary Yellan, die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrer Tante Patience ziehen soll und unterwegs beim einflussreichen Gutsherrn und Friedensrichter Sir Humphrey Pengallan gestrandet wird, der sie galant, aber mit deutlich mehr als nur höflichem Interesse zur Herberge begleiten lässt. In der heruntergekommenen Schänke erlebt Mary das verängstigte Duckmäusertum ihrer Tante und die brutale Gewalt ihres Onkels, ahnt bald kriminelle Machenschaften, kennt aber noch nicht deren tödliches Ausmass.
Eines Nachts beobachtet sie heimlich, wie Joss und seine Männer den jungen Gang-Neuling Jem Trehearne des Diebstahls beschuldigen und kurzerhand aufhängen wollen, um ein Exempel zu statuieren. Mary schneidet den scheinbar leblosen Mann in letzter Sekunde los und flieht mit ihm durch Geheimgänge und über das Moor in eine Küstenhöhle, wo sie sich vor der Meute verstecken und eine unruhige Nacht verbringen. Als sie am Morgen Sir Humphrey um Hilfe bitten, vertraut sich Jem ihm als verdeckter Ermittler der Behörden an, der die Bande von innen auffliegen lassen soll, während Mary noch glaubt, im Haus des exzentrischen Squires in Sicherheit zu sein. Doch der aristokratische Gönner entpuppt sich als eigentlicher Kopf des Verbrecherrings, der Joss nur als brutale Marionette benutzt und zugleich ein krankhaftes Besitzdenken gegenüber Mary entwickelt.
Während Jem beim Versuch, mit militärischer Hilfe zur Herberge zurückzukehren, kurzzeitig überwältigt wird, zwingt Joss seine Bande zu einem weiteren Anschlag auf ein Goldschiff, wobei Mary mitgeschleift wird. Am Felsplateau gelingt es ihr, eine Warnbake zu entzünden, wobei ein Kampf entbrennt, der das Feuer auslöst und das Handelsschiff im letzten Moment vor dem Auflaufen bewahrt. Die wütenden Männer wollen Mary lynchen, doch Joss stellt sich schützend vor sie und wird bei der chaotischen Flucht angeschossen; zurück im Jamaica Inn stirbt er in Patiences Armen, kurz bevor diese von dem plötzlich auftauchenden Sir Humphrey erschossen wird, der Mary nun als sein «Eigentum» mit sich nehmen will. Während Jem mit Soldaten die Bande verhaftet, schleppt der zunehmend wahnsinnige Squire Mary auf ein ablegendes Schiff, wo er von den Verfolgern gestellt wird, sich in die Takelage flüchtet und schliesslich lieber von der Mastspitze in den Tod springt, als sich seiner gerechten Strafe zu stellen – Mary und Jem bleiben als neues Paar zurück, das die Gewalt des Jamaica Inn hinter sich lässt.
Cameo
«Jamaica Inn» gehört zu den wenigen Tonfilmen Hitchcocks, in denen der Regisseur keinen sichtbaren Auftritt hat, obwohl er sich in vorherigen Werken bereits angewöhnt hatte, kurz durchs Bild zu laufen. Weder in den überlieferten Fassungen noch in Produktionsunterlagen findet sich ein gesicherter Cameo; Fachliteratur und Sammlerführer führen den Film ausdrücklich als letzten vor dem Hollywood-Wechsel, in dem Hitchcock komplett abwesend bleibt.
In der Fankultur wird dieses Fehlen oft als stilles Kommentar gelesen: Bei einer von Stars und Produzent Charles Laughton dominierten, problematischen Produktion verzichtete Hitchcock demonstrativ auf seine sonst obligatorische Selbstinszenierung.
Production Facts
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«Jamaica Inn» war Hitchcocks letzte britische Produktion vor seinem Wechsel nach Hollywood; der kommerzielle Erfolg ermöglichte ihm 1939 den Start des Vertrags mit David O. Selznick.
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Die Vorlage war Daphne du Mauriers gleichnamiger Roman; das Drehbuch änderte Figurenkonstellationen, verdichtete den Zeitraum von mehreren Monaten auf zwei Tage und rückte die Enthüllung des wahren Drahtziehers an den Filmanfang.
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Charles Laughton fungierte als Co‑Produzent, besetzte sich selbst um – vom ursprünglich vorgesehenen Joss zum Squire Pengallan – und drängte auf zusätzliche Szenen, was Hitchcocks Inszenierungspläne und die Balance der Geschichte merklich verschob.
Fun Facts
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Das reale Jamaica Inn an der Grenze des Bodmin Moor existiert tatsächlich und wurde durch Roman und Film zu einer touristischen Attraktion für Fans von du Maurier und Hitchcock.
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Maureen O’Hara hatte hier ihre erste grosse Filmhauptrolle; Laughton war so angetan, dass er sie direkt nach Hollywood holte, wo sie noch im selben Jahr «The Hunchback of Notre Dame» drehte und zum Star wurde.
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Du Maurier war mit der Adaption unzufrieden und warnte ihre Verleger sogar vor dem Film, während «Rebecca» wenig später zu einer ihrer Lieblingsverfilmungen durch denselben Regisseur wurde – ein hübscher Kontrast in ihrer Zusammenarbeit mit Hitchcock.
Pannen & Patzer
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In mehreren Einstellungen der stürmischen Küstenszenen wirkt das Meer im Hintergrund auffallend ruhig oder wie eine Rückprojektion; Wellen und Wind passen nicht immer zur heftig schwankenden Spielhandlung im Vordergrund, was die Studiotricks enthüllt.
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Bei einem der Überfälle auf ein Wrack sind im Hintergrund moderne Seile, Leitern oder andere technische Hilfsmittel zu erkennen, die eher nach Studiobühne als nach einer felsigen Naturküste des frühen 19. Jahrhunderts aussehen.
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In Innenaufnahmen des Jamaica Inn springen Requisiten und Kleidung mehrfach: Gläser füllen und leeren sich zwischen den Schnitten, Mäntel wechseln die Position von über der Stuhllehne auf den Boden, ohne dass Figuren sie bewegt hätten – typische Continuity‑Patzer einer hektischen Produktion.
1939
15. Mai 1939
98 Minuten