Norman McKinnel (1870–1932) war ein schottischer Bühnen- und Filmschauspieler, der sich vom Ingenieursohn zum gefragten Charakterdarsteller und Theaterautor entwickelte. Er trat ab den 1890er-Jahren in London auf, spielte zahlreiche Shakespeare-Rollen und tourte mit seinen Bühnenengagements bis in die USA, nach Australien und Südafrika. Als Dramatiker ist er vor allem für das Einakter-Stück «The Bishop’s Candlesticks» bekannt, eine Adaption eines Abschnitts aus Victor Hugos «Les Misérables», das sich wegen seiner knappen Form grosser Bühnenbeliebtheit erfreute. Im Film erschien McKinnel zunächst 1899 in «King John», kehrte aber erst ab Mitte der 1910er-Jahre regelmässig auf die Leinwand zurück und spielte u. a. in «Dombey and Son» sowie drei Versionen von «Hindle Wakes» immer wieder dieselbe Figur Nathaniel Jeffcote.
Seine bekannteste Filmrolle im Kontext von Hitchcock ist Sir Thomas Berwick in «Downhill» (1927). McKinnel verkörpert den strengen, standesbewussten Vater des von Ivor Novello gespielten Roddy, der seinen Sohn nach einem vermeintlichen Skandal ohne Zögern verstösst. Diese Figur bündelt zentrale Hitchcock-Motive: patriarchale Autorität, moralischer Rigorismus und eine späte, zu späte Reue, wenn sich die «Wahrheit» als Missverständnis entpuppt. McKinnels harte, aber nicht eindimensionale Darstellung macht Sir Thomas zu mehr als einem blossen Schurken; er steht für eine gesellschaftliche Ordnung, in der Ehre über Empathie gestellt wird – ein Spannungsfeld, das Hitchcock in vielen späteren Filmen variiert.