Plot
Die alteingesessene Gutsbesitzerfamilie Hillcrist lebt seit Generationen in einer idyllischen englischen Landschaft, die für sie nicht nur Besitz, sondern auch Lebensform und Verantwortung gegenüber den Pächtern bedeutet. In diese Welt drängt der neureiche Industrielle Hornblower, der sein Vermögen mit Fabriken gemacht hat und nun systematisch Land aufkauft, um weitere Werke zu bauen – trotz früherer Zusicherungen, die Bauern nicht zu vertreiben.
Als die Hillcrists feststellen, dass Hornblower ein Stück Land, das sie ihm gutgläubig verkauft haben, rücksichtslos räumen lässt und die langjährigen Pächter Jackmans nach dreissig Jahren vom Hof jagt, sehen sie sich betrogen und sprechen von einem «skin game»: einem schmutzigen Spiel, bei dem man unter falschen Versprechen kauft, um Menschen hinauszudrängen. Besonders Mrs. Hillcrist, stolz und kompromisslos, ist entschlossen, sich gegen den «Emporkömmling» zu wehren, während ihr Mann eher zur Mässigung neigt und Tochter Jill mit Hornblowers Sohn Charles halb freundschaftlich, halb flirty umgeht – als mögliche Brücke zwischen den Lagern.
Der Konflikt spitzt sich bei einer Landauktion zu: Hornblower will das idyllische Nachbargrundstück erwerben, das die Hillcrists als letzte Schutzbarriere gegen seine Fabriken betrachten. In einer langen, spannungsvoll inszenierten Bieterschlacht treibt Hornblower den Preis immer höher; am Ende sticht er Hillcrist aus, indem er einen Strohmänner‑Trick nutzt und so die Familie mit ihren eigenen finanziellen Grenzen vorführt. Nach der Niederlage präsentiert Dawker, der loyale Verwalter der Hillcrists, Mrs. Hillcrist eine Waffe: Er kennt ein dunkles Geheimnis über Hornblowers Schwiegertochter Chloe, die mit Charles verheiratet ist und ein Kind erwartet. Chloe arbeitete früher in einer zweifelhaften «Agentur» – als Frau, die sich Männern gegen Bezahlung für Scheidungsinszenierungen zur Verfügung stellte, damit sie beim erwischten Ehebruch den juristisch nötigen Scheidungsgrund liefern konnten; ein Skandal, der in Hornblowers ehrgeizigem, aber kleinbürgerlich‑moralischen Weltbild seine Familie zerstören würde.
Mrs. Hillcrist zögert kurz, greift dann zum schärfsten Mittel: Sie lässt Hornblower zu sich kommen und konfrontiert ihn mit Chloes Vergangenheit, verbunden mit der Drohung, alles publik zu machen, falls er das soeben ersteigerte Land nicht an sie zurückverkauft und seine Pläne zur weiteren Industrialisierung stoppt. Der stolze Selfmademan ist entsetzt, nicht nur moralisch, sondern aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung; um seine Familie zu schützen, willigt er ein, das Land zu einem empfindlichen Verlustpreis zurückzugeben, sofern die Hillcrists Stillschweigen bewahren. Doch das «skin game» lässt sich nicht mehr stoppen: Das Geheimnis beginnt doch zu zirkulieren; Dawker bricht indirekt seine Schweigepflicht, Andeutungen sickern durch die Dienerschaft, und Charles wird schliesslich misstrauisch. Chloe, die ihren Mann und das gemeinsame Kind liebt, gerät zunehmend in Panik, als sie merkt, dass ihre Vergangenheit sie eingeholt hat und die Ehe auf dem Spiel steht.
In einer zentralen Szene stellt Jill Chloe zur Rede, zwischen Mitleid und Empörung schwankend, während im Hintergrund die älteren Hillcrists und Hornblower ihre moralischen und klassenpolitischen Kämpfe ausfechten. Chloe fleht um Schonung, doch die Dynamik ist bereits ausser Kontrolle geraten: Charles erfährt von den Vorwürfen, presst Dawker die Wahrheit heraus und reagiert fassungslos – weniger aus puritanischer Moral denn aus dem Gefühl, betrogen und belogen worden zu sein. Gleichzeitig wirft Hornblower den Hillcrists vor, seine Familie schmutzig zu erpressen, während Mrs. Hillcrist ihm entgegenhält, er habe selbst skrupellos Existenzen zerstört und nun zum ersten Mal die Folgen seines Handelns spüre. Es entsteht eine Situation, in der beide Seiten «Recht» für sich reklamieren, die eigentliche Leidtragende aber die junge Frau ist, deren Vergangenheit zur Waffe im Klassenkampf gemacht wurde.
Chloe hört, wie Charles im Nachbarzimmer ankündigt, die Ehe zu beenden; sie versteckt sich hinter einem Vorhang und entzieht sich der Konfrontation, indem sie durch eine Hintertür nach draussen flieht. Kurz darauf kommt die Nachricht, dass man sie im nahen Teich ertrunken aufgefunden hat – ein indirekter Selbstmord, ausgelöst durch die Aussichtslosigkeit ihrer Lage. In der Schlusspassage ringt Mrs. Hillcrist mit ihrer Schuld und dem Bewusstsein, dass sie zwar das Land gerettet, aber einen Menschen in den Tod getrieben hat; Hornblower erscheint voller Zorn, reisst Dawker die Grundstücksurkunde aus der Tasche und erklärt, er werde trotzdem alles abholzen und Fabriken bauen – ungeachtet der Toten. Zurück bleiben verwüstete Familien auf beiden Seiten: Die Hillcrists haben moralisch verloren, was sie materiell gewonnen haben, und der Film lässt offen, ob ihr «Sieg» nicht der Beginn eines noch grösseren Verfalls ist.
Cameo
Für «The Skin Game» ist kein eindeutig bestätigter Cameo Hitchcocks bekannt. Es gibt Fanspekulationen, er sei während der Auktionsszene als Pfeife rauchender Zuschauer im Publikum zu sehen, doch detaillierte Analysen und zeitgenössische Berichte kommen mehrheitlich zum Schluss, dass es sich um einen ähnlich aussehenden Darsteller handelt und nicht um den Regisseur selbst.
Production Facts
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Der Film basiert auf John Galsworthys Theaterstück «The Skin Game» (1920); Hitchcock und Alma Reville passten den Text relativ werkgetreu an, verlagerten aber einige Schlüsselmomente, etwa die Auktionssequenz, stärker ins Bildhafte.
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Gedreht wurde in den Elstree Studios für British International Pictures; Edmund Gwenn und Helen Haye übernahmen wie schon in der Stummfilmversion von 1921 ihre Bühnen‑ bzw. Filmrollen als Hornblower und Mrs. Hillcrist erneut.
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Hitchcock war laut Biographen von dem Projekt wenig begeistert und sah es eher als Auftragsarbeit, nutzte aber die Gelegenheit, einzelne Sequenzen – etwa die Eröffnung mit Baumfällern und Bulldozern oder die Teich‑Szene – stilistisch pointiert und experimentell zu inszenieren.
Fun Facts
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Der Titel «The Skin Game» greift einen amerikanischen Ausdruck für ein betrügerisches Geschäft auf; Galsworthy verwendete ihn bewusst, um den rohen Kapitalismus Hornblowers als «schmutziges Spiel» gegen Tradition und Menschlichkeit zu brandmarken.
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Phyllis Konstam, die Chloe spielt, hatte kurz zuvor schon in «Murder!» mit Hitchcock gearbeitet; er verlangte für die (am Ende herausgeschnittene) Teich‑Aufnahme, dass sie zehnmal ins Wasser geworfen wurde – eine Anekdote, die Konstam später mit gemischten Gefühlen erzählte.
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Edmund Gwenn sollte später in mehreren Hitchcock‑Filmen auftreten, unter anderem in «Foreign Correspondent» und «The Trouble with Harry» – seine Figur des Hornblower ist eine frühe, sehr unsympathische Variation des sonst oft liebenswerten Charakterschauspielers.
Pannen & Patzer
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In der Auktion wechselt die Anzahl der anwesenden Bieter sichtbar zwischen verschiedenen Totalen und Nahaufnahmen: Einige Personen sitzen plötzlich an anderer Stelle oder fehlen ganz, obwohl die Handlung ohne zeitlichen Sprung erzählt wird.
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Die Landschaft um das umstrittene Grundstück wirkt in Aussen‑ und Studiobildern uneinheitlich: Baumstellung, Heckendichte und die Lage des Teiches variieren, was den Eindruck eines konsistenten realen Orts stört.
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In der Schlusssequenz steckt Dawker die Grundstücksurkunde gut sichtbar in die Aussentasche seines Jacketts; im nächsten Schnitt steht Hornblower vor ihm, und das Papier ist plötzlich tiefer oder anders gefaltet, bevor es ihm entrissen wird – ein kleiner, aber auffälliger Continuity‑Bruch.
1931
26. Dezember 1931
85 Minuten