Plot
«Downhill» beginnt an einer elitären Public School, wo der beliebte Rugby‑Kapitän Roddy Berwick und sein Freund Tim Wakeley nach dem Spiel die Ladenangestellte Mabel in ihrem Süsswarengeschäft besuchen. Beide tanzen mit ihr, doch sie favorisiert Roddy, während Tim eifersüchtig zusieht. Wenig später behauptet Mabel dem Schulleiter gegenüber, Roddy sei der Vater ihres ungeborenen Kindes – in Wahrheit ist Tim verantwortlich, der seine Zukunft nicht riskieren will.
Roddy hält sein Versprechen, den Freund nicht zu verraten, nimmt die Schuld auf sich und wird unehrenhaft von der Schule verwiesen. Zu Hause glaubt auch sein Vater Sir Thomas Berwick eher der offiziellen Version als seinem Sohn, nennt ihn einen Lügner und verstösst ihn.
Roddy verlässt das wohlhabende Elternhaus und landet als schlecht bezahlter Kellner in einem Dinner‑Theater. In einer berühmten Szene scheint er zunächst elegant im Smoking zu parlieren, bis ein Kamerazoom enthüllt, dass er nur als Teil einer Bühnenillusion agiert. Eine unerwartete Erbschaft von seiner verstorbenen Patentante bringt ihm 30’000 Pfund ein; scheinbar ist seine Misere beendet. Roddy lässt sich vom schillernden Theatermilieu einfangen und verliebt sich in die attraktive Schauspielerin Julia Fotheringale, die er bald heiratet.
Die Ehe entpuppt sich als Falle: Julia ist vor allem an Roddys Geld interessiert und führt heimlich eine Affäre mit ihrem Bühnenpartner Archie weiter. Sie überredet Roddy, grosszügig zu investieren, bringt ihn dazu, ihr Vermögen zu überlassen und sogar das Haus seiner Eltern zu überschreiben. Als das Geld aufgebraucht ist, wirft sie ihn kalt aus dem gemeinsamen Heim und zieht mit Archie weiter. Roddy sinkt tiefer ab und verlässt England, um in Paris als «Taxi‑Dancer» in einem Nachtclub zu arbeiten, der von einer resoluten Madame geführt wird. Dort vermietet er seinen Körper stundenweise an ältere, zahlungskräftige Damen – eine moralische wie soziale Degradierung.
Eines Morgens, als das Tageslicht in den Saal dringt, erkennt Roddy schockiert, wie erbärmlich das Umfeld und die Frauen sind, mit denen er die Nacht verbracht hat. Er bricht seine Tätigkeit abrupt ab, verlässt Paris und landet schliesslich mittellos in einem schäbigen Zimmer in Marseille. Von Krankheit und Erschöpfung gezeichnet, halluziniert er in expressionistisch inszenierten Fieberträumen die Frauen, die ihn ausgenutzt haben, und die Autoritätsfiguren, die ihn verurteilt haben. Eine Gruppe Seeleute findet den entkräfteten jungen Mann, nimmt ihn auf ihr Schiff und bringt ihn, in der Hoffnung auf eine Belohnung, zurück nach London.
Auf der Rückfahrt steigert sich Roddys Delirium: In Visionen verschmelzen Vater, Lehrer, Geliebte und Madame zu bedrohlichen Schattenfiguren, die ihn zu Boden drücken. In London taumelt er durch die Strassen; Hitchcock inszeniert seine Rückkehr als subjektiven Albtraum, in dem reale Passanten und innere Gespenster ineinander übergehen. Schliesslich steht Roddy – abgemagert und gebrochen – vor der Tür des Elternhauses. Inzwischen ist die Wahrheit über Mabels Lüge ans Licht gekommen: Tim hat gestanden, und Sir Thomas bereut seinen Unglauben zutiefst. Die Eltern nehmen den Sohn reumütig in die Arme, und in den Schlussbildern sehen wir Roddy wieder im Rugby‑Trikot: Er spielt ein Old‑Boys‑Match an seiner früheren Schule, als hätte sich der Kreis geschlossen, doch der Film lässt spüren, dass der Weg zurück einen hohen seelischen Preis hatte.
Cameo
In «Downhill» gibt es keinen allgemein anerkannten Hitchcock‑Cameo. Standardlisten seiner Auftritte nennen den Film nicht, und die gängigen Analysen vermerken keinen gesicherten kurzen Auftritt des Regisseurs vor der Kamera.
Production Facts
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«Downhill» basiert auf dem Theaterstück «Down Hill» von Ivor Novello und Constance Collier, die das Stück unter dem gemeinsamen Pseudonym «David L’Estrange» veröffentlichten.
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Der Film wurde 1927 für Gainsborough Pictures in den Islington‑Studios gedreht und war Hitchcocks vierte Regiearbeit, aber die fünfte, die in die Kinos kam.
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Hitchcock setzte als visuelle Metapher für Roddys sozialen Absturz die Rolltreppe der Maida‑Vale‑U‑Bahn‑Station und später einen Fahrstuhl ein, um den «downhill»-Effekt wortwörtlich zu bebildern.
Fun Facts
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Die Bühnenfassung enthielt eine Szene, in der Novello sich nach einem Rugbyspiel auf der Bühne die Beine wusch; Hitchcock übernahm das Motiv im Film und zeigte ihn nackt bis zur Hüfte – damals für Fans ein kleiner Skandal.
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«Downhill» ist einer der frühesten Spielfilme, in denen die London Underground als prägnanter Schauplatz auftaucht; Hitchcock kehrte später in «Blackmail», «Rich and Strange» und «Sabotage» dorthin zurück.
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Hitchcock arbeitet mit teils surrealen Traumsequenzen, in denen er im Gegensatz zur damaligen Konvention auf Weichzeichner verzichtet und stattdessen klare Überblendungen nutzt – ein früher Versuch, Träume «in die Realität einzubetten».
Pannen & Patzer
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In der Tanzszene im Süsswarengeschäft wechselt die Schallplatte auf dem Grammophon zwischen zwei Marken («Winner» und «His Master’s Voice»), ohne dass im Film ein Plattenwechsel gezeigt wird.
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Mehrere Kritiken verweisen darauf, dass der Mittelteil – vor allem die Episode mit der Schauspieler‑Ehe – dramaturgisch durchhängt und wie eine Wiederholung des immer gleichen Motivs wirkt, was als struktureller Regiefehler gilt.
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In einigen Innenszenen im Elternhaus springen die Positionen von Requisiten (Stühle, Bilderrahmen) leicht zwischen Schnitt und Gegenschnitt, was auf kleinere Continuity‑Probleme der Produktion hinweist.
1927
24. Oktober 1927
110 Minuten