Plot
«The Lodger: A Story of the London Fog» spielt im nächtlichen London, wo ein Serienkiller namens «The Avenger» junge blonde Frauen ermordet und jeden Dienstag eine neue Leiche hinterlässt. Während die Stadt in panischer Erregung ist, nimmt das Ehepaar Bunting einen mysteriösen jungen Mann als Untermieter auf, der spätabends vor der Tür erscheint, das Gesicht von Schal und Hut teilweise verdeckt.
Er mietet ein Zimmer im Obergeschoss, bezahlt im Voraus und bittet darum, alle Bilder von Blondinen in seinem Zimmer umzudrehen oder abzunehmen – eine Marotte, die Mrs. Bunting sofort an die Mordserie denken lässt. Die Buntings’ Tochter Daisy, ein blondes Modell, ist mit Joe, einem Polizisten, liiert, der an den Avenger‑Morden ermittelt. Joe wird zunehmend eifersüchtig, als der scheue, aber charismatische Untermieter und Daisy sich einander annähern.
Der Film streut zahlreiche Indizien, die den Untermieter verdächtig erscheinen lassen: Er kehrt oft spät in der Nacht nach Hause zurück, läuft nervös im Zimmer auf und ab, reagiert heftig auf Zeitungsmeldungen über die Morde und verschwindet erneut, als ein weiterer Mord geschieht. Hitchcock nutzt Schatten, Spiegelungen und POV‑Einstellungen, etwa als die Buntings hören, wie der Untermieter im Zimmer über ihnen auf und ab geht und der Boden durchsichtig erscheint, als würde er über ihren Köpfen schweben. Daisy dagegen fühlt sich von seiner Verletzlichkeit angezogen; in intimen Momenten zeigt er ihr ein Medaillon mit dem Foto einer jungen Frau, die der Avenger offenbar zum Opfer fiel. Allmählich verlieben sich die beiden, während Joe sich in seiner Doppelrolle als Ermittler und verschmähter Liebhaber verbeisst und den Mann immer stärker als Tatverdächtigen ins Visier nimmt.
Nach einer Razzia in der Nachbarschaft durchsucht die Polizei – mit Joe an der Spitze – das Zimmer des Untermieters und findet dort das Medaillon und einen Revolver. Für Joe scheint der Fall klar; er verhaftet den Mann, doch Daisy widersetzt sich, überzeugt von seiner Unschuld. Der Untermieter offenbart ihr daraufhin seine wahre Motivation: Seine Schwester war eine blonde junge Frau und das erste Opfer des Avengers; seitdem jagt seine Familie den Mörder auf eigene Faust, weshalb er dem Täter so fanatisch auf der Spur ist. Daisy hilft ihm zu fliehen, löst dabei jedoch ungewollt eine Verfolgungsjagd aus.
Die Nachricht von der Flucht verbreitet sich, eine aufgebrachte Menge bildet sich, und man ist schnell bereit, den vermeintlichen Täter zu lynchen. In einem der stärksten Bilder des Films bleibt der Untermieter mit Handschellen an einem Zaun hängen und hängt, den Armen über dem Kopf, wehrlos über dem Mob – eine quasi‑christliche Märtyrerpose, die Hitchcock später in Variationen wieder aufgreift. Während Joe und die anderen Polizisten hinterherhetzen, erreicht ein Funkspruch Scotland Yard: Der echte Avenger wurde an einem anderen Ort festgenommen. Joe bricht die Verfolgung ab, kehrt zurück und hilft, den bewusstlosen Untermieter zu befreien; Daisy wirft sich schützend zwischen ihn und die Menge. In der Epilog‑Sequenz sehen wir, dass der Untermieter rehabilitiert ist und gemeinsam mit Daisy weiterlebt – doch der Film lässt den Nachgeschmack von Misstrauen und Massenhysterie, der ihn klar als frühen Hitchcock‑Thriller ausweist.
Cameo
«The Lodger» enthält Hitchcocks ersten eindeutig identifizierbaren Cameo. Etwa zwei bis fünf Minuten nach Beginn der Handlung sitzt er mit dem Rücken zur Kamera an einem Schreibtisch in einer Zeitungsredaktion und telefoniert, während die Nachricht vom neuesten Mord verbreitet wird. Spätere Quellen behaupteten einen zweiten Cameo in der Schlussmenge, doch Analysen der restaurierten Fassung halten diese Zuordnung für sehr unwahrscheinlich.
Production Facts
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Der Film basiert auf dem Roman «The Lodger» von Marie Belloc Lowndes, der lose von der Jack‑the‑Ripper‑Legende inspiriert ist.
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In der Romanvorlage bleibt der Mieter höchst wahrscheinlich der Täter; wegen Star Ivor Novello und Produzentendrucks musste Hitchcock die Figur im Film als unschuldig darstellen.
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Für mehrere Einstellungen – etwa den durchscheinenden Fussboden – entwickelte Hitchcock bereits detaillierte Storyboards, was zu seinem Markenzeichen der vorausgeplanten Inszenierung wurde.
Fun Facts
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Die Produktionsfirma war zunächst so unsicher, dass der Film ein Jahr lang auf Eis lag; erst nach einem positiven Gutachten der Kritik wurde «The Lodger» 1927 veröffentlicht und zum Durchbruch für Hitchcock.
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Hitchcock und Alma Reville gelten als eines der frühesten prominenten «Regie‑Drehbuch»-Paare; einige Quellen vermuten, dass sie in einer frühen Szene als Frau mit Kopfhörer im Newsroom zu sehen ist.
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Der Untertitel «A Story of the London Fog» spielte mit dem damaligen Marketing für «atmosphärische» Krimis und wurde auf Plakaten oft genauso gross wie der Haupttitel gesetzt.
Pannen & Patzer
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In der Schachszene zwischen Daisy und dem Untermieter ist das Brett falsch herum aufgestellt: Das rechte untere Feld ist dunkel statt hell, ein klassischer faktischer Fehler.
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In manchen Strassenszenen wechseln Positionen von Passanten und Polizeifahrzeugen zwischen Schnitt und Gegenschnitt, obwohl kein Zeitsprung markiert ist – typische Continuity‑Probleme einer frühen Grossstadtproduktion.
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Besonders berüchtigt ist ein verlorener Take: Eine geplante Szene auf der Charing‑Cross‑Brücke musste neu gedreht werden, weil der Kameramann vergessen hatte, ein Objektiv auf die Kamera zu setzen.
1927
14. Februar 1927
92 Minuten