A Tribute to the Master of Suspense

Dial M for Murder

Bei Anruf Mord

Der charmante Ex-Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner reichen Ehefrau Margot, nachdem er von ihrer Affäre mit dem Krimiautor Mark Halliday erfahren hat. Er erpresst einen alten Bekannten, der sie während eines fingierten Telefonanrufs in der Wohnung erwürgen soll. Doch Margot wehrt sich und tötet den Angreifer mit einer Schere, worauf Tony die Spuren so manipuliert, dass sie als Mörderin verurteilt wird – bis Inspektor Hubbard Tonys ausgeklügelten Schlüsseltrick enttarnt.
Plot

Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice lebt in London vom Vermögen seiner wohlhabenden Frau Margot, die eine Affäre mit dem amerikanischen Kriminalromanautor Mark Halliday hat. Tony hat die Beziehung längst entdeckt, heimlich einen Liebesbrief abgefangen und Margot monatelang anonym erpresst, um sie unter Kontrolle zu halten. Als er befürchtet, sie könne sich scheiden lassen und ihn mittellos zurücklassen, fasst er den Plan, sie «unfallfrei» beseitigen zu lassen.

Tony lädt seinen früheren Studienfreund Charles Swann, inzwischen Kleinkrimineller mit Vorstrafen, unter einem Vorwand in die Wohnung ein. Mit raffinierten Andeutungen und Beweisen aus Swanns eigener Vergangenheit erpresst er ihn: Entweder Swann tötet Margot, oder Tony liefert ihn der Polizei aus. Für 1000 Pfund und unter Druck akzeptiert Swann widerwillig. Tony legt den Tatplan minutiös fest: Er versteckt Margots Wohnungsschlüssel im Treppenhaus, damit Swann zur verabredeten Zeit unbemerkt in die Wohnung gelangen kann, während Tony und Mark scheinbar harmlos gemeinsam ausgehen.

Um Margot ans richtige Telefon zu locken, soll Tony sie aus dem Club anrufen; in dem Moment, in dem sie den Hörer abnimmt, soll Swann sie von hinten mit einem Schal erwürgen und den Mord wie einen Einbruch aussehen lassen. Der Abend verläuft zunächst nach Plan: Swann dringt ein, das Licht bleibt gedimmt, das Telefon klingelt. Doch Margot wehrt sich heftig, greift im Todeskampf nach einer Schere und stösst sie Swann in den Rücken, der tot zu Boden geht. Am anderen Ende der Leitung erkennt Tony, dass etwas schiefgelaufen ist, kehrt nach Hause zurück und wandelt blitzschnell seine Strategie: Er arrangiert die Szene so, dass Margot wie eine Mörderin erscheint, die ihren Erpresser getötet hat.

Tony platziert den Liebesbrief bei Swann, manipuliert Aussagen und erzählt Inspektor Hubbard von Scotland Yard eine stimmige, aber falsche Geschichte, in der Margot aus Angst vor Erpressung zur Täterin geworden sei. Margot verstrickt sich bei der Vernehmung in Widersprüche und verschweigt auf Tonys Drängen, dass er ihr nach dem Angriff geraten hat, niemanden anzurufen – ein Detail, das Hubbard misstrauisch macht. Vor Gericht aber setzen sich Tonys Indizienkette und seine gespielte Empörung durch: Margot wird wegen Mordes zum Tode verurteilt.

Am Tag vor der Hinrichtung stellt Mark Tony zur Rede und entwirft eine «fiktive» Version des Geschehens: Tony habe Swann angeheuert, um Margot zu töten. Er hofft, Tony so zu einem Geständnis zu bewegen, das Margots Leben rettet, doch Tony spielt den Unschuldigen. Als Inspektor Hubbard mit Fragen zu Tonys merkwürdigen Geldbewegungen auftaucht, entdeckt Mark in Tonys Aktenkoffer ein Bündel Banknoten – das mutmassliche Honorar für Swann – und erkennt, dass seine Theorie stimmt. Hubbard beginnt, den Wohnungsschlüssel als zentrales Beweisstück zu nutzen: durch einen Mantel‑Tausch und den heimlichen Zugang zur Wohnung stellt er fest, dass Tony nur mithilfe des versteckten Schlüssels hereinkommen kann.

Schliesslich lässt Hubbard Margot aus dem Gefängnis in die Wohnung bringen und beobachtet, wie sie vergeblich versucht, mit dem Schlüssel aus ihrer Handtasche die Tür zu öffnen – ein Zeichen, dass sie vom zweiten Schlüssel nichts wusste. Kurz darauf kehrt Tony zurück, findet den Schlüssel im Treppenhausversteck und sperrt die Tür auf – genau damit überführt er sich selbst vor den Augen von Margot, Mark und Hubbard. Die Fluchtwege sind blockiert; Tony erkennt sein Scheitern, giesst sich gelassen einen Drink ein und gibt sich praktisch geschlagen, während Margot rehabilitiert ist und ihrer Hinrichtung entgeht.

Cameo

In «Dial M for Murder» ist Hitchcocks Cameo besonders subtil, weil er nur auf einem Foto auftaucht und nicht «live» im Geschehen. Etwa 13 Minuten nach Filmbeginn sieht man in Tony Wendices Wohnung ein Schwarz‑Weiss‑Foto, das eine Klassentreffen‑ oder Fakultätsfeier zeigt. An einem langen Tisch sitzt eine Gruppe von Männern; Alfred Hitchcock sitzt auf der linken Seite des Bildes mit am Bankett, halb im Profil, halb zur Kamera gedreht, so als hätte er sich für das Erinnerungsfoto kurz freundlich dem Fotografen zugewandt.​

Die Aufnahme hängt im Wohnzimmer und wird in einer ruhigen Dialogszene relativ deutlich im Bild platziert, bleibt aber schnell zu übersehen, wenn man nicht gezielt danach sucht. Weil Hitchcock in diesem Film ausschliesslich als Fotomotiv präsent ist, gilt dieses Auftreten als einer seiner unauffälligsten Cameos – eine selbstironische Mini‑Rolle, die zugleich zur gehobenen, fast theatralen Atmosphäre des Wohnzimmers passt.

Production Facts
  • «Dial M for Murder» basiert direkt auf Frederick Knotts gleichnamigem Theaterstück; Hitchcock liess grosse Teile des Dialogs und die Einheitskulisse fast unverändert, um den Kammerspiel‑Charakter zu bewahren, und inszenierte die Dreharbeiten nahezu wie eine Bühnenaufführung mit durchinszenierten Bewegungsabläufen.

  • Warner Bros. bestand darauf, den Film in 3D zu drehen, obwohl der Boom bereits abebbte; Hitchcock stellte die Kamera in eine abgesenkte «Grube», um aus leichten Untersichten Tiefe zu erzeugen und die Wohnung wie eine Bühne mit zusätzlichem Zuschauerraum wirken zu lassen.

  • Für die ikonische Nahaufnahme des Telefonwahlkreises «M» liess Hitchcock eine überdimensionale Attrappe eines Finger‑/Telefonkombis bauen, weil die 3D‑Kamera nicht scharf genug auf ein echtes Zifferblatt fokussieren konnte.

Fun Facts
  • John Williams, der Inspektor Hubbard spielt, hatte dieselbe Rolle bereits in der Londoner West‑End‑Inszenierung und in der Broadway‑Version verkörpert und brachte seine Bühnenroutine quasi 1:1 vor die Kamera.

  • Hitchcocks Farbdramaturgie für Grace Kelly ist bewusst geplant: Zu Beginn trägt Margot helle, leuchtende Farben; je näher der Mordanschlag und der Prozess rücken, desto dunkler und gedeckter werden ihre Kostüme, was ihre zunehmende Bedrohung visualisiert.

  • Der 3D‑Effekt wird nicht für billige «Pop‑out»-Schocks genutzt, sondern vor allem in der Mordszene: Margots Hand, die nach der Schere greift, scheint unmittelbar in den Zuschauerraum zu ragen – Hitchcock wollte damit das Publikum buchstäblich zum mitbangenden «Komplizen» machen.

Pannen & Patzer
  • Bevor Tony zum Club aufbricht, zieht er die Vorhänge zu; als Margot ihn überredet, doch auszugehen, geht er erneut zu genau denselben Vorhängen und «schliesst» sie noch einmal – die Continuity der Dekoration stimmt nicht.

  • Wenn Tony Lesgate das Vorschussgeld zuwirft, landet das Bündel in einem Sessel mit niedriger Rückenlehne; im nächsten Schnitt ist es plötzlich ein hochlehniger Stuhl und danach wieder der niedrige – die Requisite wurde zwischen den Takes getauscht.

  • Kurz bevor Lesgate/Mörder bei seinem Angriff von Margot mit der Schere «getroffen» wird, ist für einen Moment zu sehen, dass die Schere bereits als Attrappe an seinem Rücken befestigt ist – der Effekt verrät sich durch eine unglückliche Kameraperspektive.

Erscheinungsjahr
1954
Premiere
29. Mai 1954
Laufzeit
105 Minuten